Ver.di gegen Christival

Der Widerstand gegen Christival wächst
Gemeinsame Aktion von Schwulen, Gewerkschaften, Linken und Pro Familia
B r e m e n (idea) – In Bremen nimmt der Widerstand gegen den evangelikalen
Jugendkongress Christival zu. Zu dem Treffen vom 30. April bis 4. Mai in der Hansestadt haben
sich bisher 14.000 Besucher angemeldet. Nach einem Antisexistischen Bündnis, das bei der
Christival-Eröffnung in unmittelbarer Nähe eine „Antisexistische (Walpurgis) Demo“ durchführen
will, hat jetzt das „Rat- und Tat-Zentrum für Schwule und Lesben“ eigene Aktionen angekündigt.
Dazu fand am 3. April ein Vernetzungstreffen statt, an dem außer dem „Antisexistischen
Bündnis“ die Gruppe „Homosexuelle und Kirche“, Mitglieder der Gewerkschaft ver.di, der Links-
Partei, von SPD und Grünen sowie Pro Familia teilnahmen. Der Protest richte sich dagegen,
dass die Christival-Teilnehmer zur Ablehnung von Homosexualität und Abtreibung gedrängt
würden, sagte ein Mitarbeiter des Zentrums, Arno Övermann, gegenüber idea. Man lehne die
sexualethische Einseitigkeit der Christival-Veranstalter ab. Jugendliche sollten erfahren, dass
es verschiedene Lebensformen und sexuelle Vielfalt gebe. Die Kritiker, von denen etliche einen
„christlichen Hintergrund“ hätten, wendeten sich nicht gegen eine Stärkung des christlichen
Glaubens; weltanschauliches Denken sei Privatsache. Die Formen und die Zielgruppe des
Protests seien noch unklar, so Övermann. Möglich sei, dass man sich gezielt an die Christival-
Besucher wende. Alternativ werde eine spektakuläre Aktion in der Öffentlichkeit überlegt.
Atheisten gegen „Straßenbahnpartys“
Unterdessen berichtet die grün-alternative „Tageszeitung“ (taz), dass auch die Bremer
Atheisten- und Freidenker-Union (Bafu) Einwände gegen Christival habe. Diese Organisation
kritisiere Pläne für drei abendliche Straßenbahnpartys, bei denen Christival-Teilnehmer ihren
Glauben „auf sympathische Weise“ in die Stadt bringen wollen. Fahrgäste sollen mit Musik- und
Wortbeiträgen auf den Glauben angesprochen werden. Die Bafu sieht darin eine „organisierte
Belästigung“ von Straßenbahnfahrern und wirft dem Verkehrsbetrieb BSAG vor, seine
Fahrzeuge als „Predigt- und Missionier-Plattformen“ missbrauchen zu lassen. Sie ruft die
Bevölkerung zum Straßenbahn-Boykott an den drei Abenden auf.
Auf das Sicherheitskonzept der Polizei ist Verlass
Der Pressesprecher des Christival, Steve Volke (Marburg), erklärte gegenüber idea, dass der
Kongress wie geplant stattfinde. Man werde alles daran setzen, dass die Besucher wie
gewünscht Ermutigung für ihren Glauben und ihre Lebensgestaltung sowie Impulse für die
Jugendarbeit erhalten. Falls die eigenen Kräfte nicht ausreichten, einen ungestörten
Programmablauf zu gewährleisten, könne man sich auf das Sicherheitskonzept der Polizei
verlassen. Noch gebe es keinen Anlass für besondere Schutzmassnahmen.
Demonstrationen gegen ethische Einstellung von Christen
Laut Volke sind die Veranstalter über den zunehmenden Protest verwundert. Nach der Absage
eines umstrittenen Seminars über Homosexualität gebe es keinen konkreten Anlass.
Offensichtlich richteten sich die angekündigten Demonstrationen grundsätzlich gegen die
ethische Einstellung von Christen. Volke widersprach der Auffassung der Schwulen- und
Lesbenbewegung, dass Sexualpraktiken ein öffentliches Thema, der Glaube hingegen
Privatsache sei. Bisher habe gegolten, dass das Schlafzimmer für die Öffentlichkeit tabu sei.
Jesus Christus gehöre auf keinen Fall in private Zirkel, da sein Evangelium
gesellschaftsprägend sei.

„Grüne“ gegen Christival
Zur öffentlichen Kontroverse um Christival war es gekommen, nachdem der Erste
Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von „Bündnis 90/Die Grünen“, Volker
Beck (Berlin), Anstoß an einem inzwischen abgesagten Christival-Seminar genommen hatte,
das Hilfen für Homosexuelle anbot, die unter ihrer homosexuellen Orientierung leiden und
Veränderung wünschen. Beck, der nach eigenen Angaben in einer schwulen
Lebensgemeinschaft lebt, bezeichnet solche Therapieangebote als „gefährliche Scharlatanerie“.
Er hat mit seiner Fraktion in zwei Anfragen an die Bundesregierung die Schirmherrschaft von
Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und die Förderung des Jugendkongresses mit
250.000 Euro in Frage gestellt. Unterstützung hat Christival von der Deutschen Evangelischen
Allianz, evangelikalen Verbänden und evangelischen Kirchenleitern erhalten. Der EKDRatsvorsitzende,
Bischof Wolfgang Huber (Berlin), wird den Kongress am 2. Mai besuchen. Zu
Äußerungen Becks, dass er die Meinungsfreiheit der von ihm kritisierten Veranstalter gegen
jeden Repressionsversuch verteidigen werde, erklärte der Präsident des EKD-Kirchenamts,
Hermann Barth (Hannover), gegenüber idea: „Daran werde ich ihn messen, wenn es im Vorfeld
oder bei Veranstaltungen des Christivals 2008 zu irgendeinem Repressionsversuch – wie etwa
Störungen – kommen sollte.“




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