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Baptistischer Theologe gegen „bibeltreue“ Exegese |
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Baptistischer Theologe gegen „bibeltreue“ Schriftauslegung Prof. Strübind: Fundamentalismus steht dem Aberglauben näher als der Theologie O l d e n b u r g (idea) – Scharfe Kritik an einer „bibeltreuen“ Auslegung der Heiligen Schrift hat der baptistische Theologe Prof. Kim Strübind (Oldenburg) geübt. Sie sei dialogunfähig und scheide als ernsthafter Gesprächpartner für „den alle paar Jahre aufbrechenden Streit um das Schriftverständnis“ aus, schreibt der an der Universität Oldenburg lehrende Theologe in einem Aufsatz unter der Überschrift „Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat“. Er erscheint Anfang Mai in der „Zeitschrift für Theologie und Gemeinde“. Sie wird von der Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik herausgegeben, die Strübind leitet. Nach seiner Ansicht lässt die Bibel kein einheitliches Bild der Glaubensgeschichte Israels und des frühen Christentums erkennen. Sie korrigiere sich selbst immer wieder und revidiere dabei auch ihre Erkenntnisse über Gott. Das könne eine „fundamentalistische Bibelauslegung“ nicht nachvollziehen. Deshalb vertrete sie einen „prinzipiell unwissenschaftlichen Standpunkt“, der gerade nicht „bibeltreu“ sei. Sie widersetze sich einem historischen Textverständnis und versuche zu harmonisieren, „was“ – so Strübind – „nicht harmonisierbar ist“. Der Fundamentalismus sei seinem Wesen nach eine „Theorie intellektueller Verstocktheit“ und stehe dem Aberglauben näher als der Theologie. In Strübinds Freikirche, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), wird derzeit eine Debatte um das Schriftverständnis geführt. „Chicagoer Erklärung“ ist „geistliche Gängelung“ Schwere Vorwürfe erhebt Strübind gegen die „Chicagoer Erklärung zur Irrtumslosigkeit und Inspiration der Schrift“ von 1978. Ihre Thesen seien „geistliche Gängelung“. Anders als dort behauptet könne die Bibel ihre Aussagen über Gott und die Welt korrigieren und zeige dabei eine bemerkenswerte dialogische Freiheit. Die Vielstimmigkeit und Widersprüchlichkeit der biblischen Zeugen lade zu eigenem Nach- und Weiterdenken ein, „weil alle Erkenntnis, eben auch die der Bibel, Stückwerk ist“. Mauern von Jericho nie eingestürzt Strübind präsentiert zahlreiche Erkenntnisse der Archäologie und Religionsgeschichte, die das Bild der Geschichte Israels grundlegend verändert hätten. So seien etwa die im Alten Testament geschilderten von den Israeliten vollzogenen Vernichtungsorgien an den Kanaanäern (Josua 1-11) gar nicht geschehen. Diese Texte seien erst in der Zeit nach dem babylonischen Exil geschrieben worden, „mit denen das Judentum seine Erfahrung bitterer Unterdrückung kompensiert“ habe. Eine Landnahme von zwölf Stämmen habe es nie gegeben, weil die Israeliten und die Kanaanäer gar nicht streng zu trennen seien. Auch hätten die Mauern von Jericho nicht einstürzen können, weil es in der Stadt keine Mauern gegeben habe. Städte wie Jericho oder Ai seien zum Zeitpunkt der vermeintlichen Eroberung durch die Israeliten längst Ruinen gewesen. „Tyrannis der Unkundigen“ Nach Strübinds Ansicht dürfen Theologen die Auslegung der Bibel nicht allein den theologischen Laien überlassen. Deren manchmal schlichte Schrifterkenntnis öffne auch „einer Ideologisierung der Bibel Tür und Tor“ und münde gelegentlich in die „Tyrannis der Unkundigen“. Schon das Urchristentum habe seine Lehre nicht demokratisiert, sondern die Verantwortung dafür den Aposteln, Propheten und Lehrern übertragen. Strübind räumt ein, dass es Grenzen der wissenschaftlichen Schriftauslegung gebe: „Zwar vermag sie vor Fehldeutungen des Glauben zu schützen, kann aber selbst keinen Glauben stiften. Dies aber ist das Grundanliegen der biblischen Texte.“ (21.04.2008/14:45)
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