"Echt durch Jesus"

„Echt durch Jesus“
Eine programmatische Erklärung der württembergischen Pietisten: „Seien wir
unerschrocken“
Zum Christustag 2008, dem traditionellen Glaubensfest der Pietisten in Baden-Württemberg,
das in diesem Jahr am 22. Mai in 15 regionalen Veranstaltungen gefeiert wurde, hat der
Vorsitzende der pietistischen Ludwig-Hofacker-Vereinigung in Württemberg, Dekan Ralf
Albrecht (Nagold), eine programmatische Erklärung veröffentlicht, die idea im Wortlaut
dokumentiert.
Aus Anlass des Christustages 2008 und dieses echt spannenden Themas halten wir als
Ludwig-
Hofacker-Vereinigung aktuell fest:
1. Unsere grundlegendste Aufgabe ist und bleibt, für die zentralen Glaubenswahrheiten
einzustehen: allein Christus, allein die Schrift, allein der Glaube. Wir konzentrieren uns in
unserer so vielschichtig und multi-informativ gewordenen Gesellschaft auf unsere
„Kernkompetenz“.
2. Wir setzen uns dafür ein, dass wir als innerkirchliche Bewegung heute nötiger sind denn je,
weil wir ein echtes Problem bekämpfen: das Problem der Gleich-Wichtigkeit aller eben mal
spontan aufkommenden oder auch geplanten kirchlichen Themen. Wir lenken den Blick immer
wieder darauf, dass es beim Echtsein unseres Glaubens ausschließlich auf die Person Jesu
und den Glauben an ihn ankommt. Jedes weitere Kriterium für den echten Glauben ist ein
Kriterium zu viel.
3. Im Blick auf die Person Jesu stehen wir dafür ein, dass es Jesus echt und authentisch nicht
geben kann ohne die Mitte und den Sinn seines Lebens: den stellvertretenden Tod für unsere
Schuld und Sünde am Kreuz – und seine Auferstehung. Nähme man diese Tat Jesu weg,
bliebe nur ein halbechter Jesus übrig. Und halbecht – das ist nichts anderes als ganz falsch.
Einen Jesus ohne Kreuz und Sühnetod, den kennt die Bibel echt nicht.
4. Gerade, weil wir so dringend auf den gekreuzigten Jesus als den echten, einzigen und
wahren Sinn unseres Lebens hinweisen, fragen wir uns selbst: leben wir das echt?
Wir gehen immer einmal wieder im Geist unser Denken, unsere Arbeit, unsere Ziele und unsere
Ideen und Ansprüche durch. Und wir hinterfragen uns: stehen wir echt dazu? Leben wir im
innerkirchlichen lutherischen Pietismus nicht auch viel zu oft von unseren Taten und Worten als
von Gottes Wort und der Vergebung Jesu? Es kann keinen anderen Weg zurück zu echtem
authentischem Christsein geben, als neu zu der grundlosen, liebevollen, Jesus sein Leben
kostenden Vergebung zurück zu finden.
5. Von daher laden wir alle ein, die im weitesten Sinn dem Anliegen des Pietismus nahe stehen,
diesen Glauben mit Ausstrahlung zu leben. Wo wir echt missionarisch sein wollen, da lassen
Sie uns auch tatsächlich missionarisch sein: mit anderen Freundschaft leben, auf ihre Sorgen
hören, Nöte teilen und mitten da hinein die gute Botschaft vom Retter und Weltenheiland, Jesus
Christus, sagen und echt vorleben. Damit, wo missionarisch drauf steht, auch echt
missionarisch leben drin ist. Fragen wir uns immer wieder: „Wie sehen uns die Menschen um
uns herum? Geben wir ihnen einen echt positiven Anreiz zum Glauben? Oder stoßen wir sie
ab?“
6. Dass, wer sich echt für Jesus einsetzt, auch da und dort widersprechen muss, ist
unbestritten:
• Nein, wir werden nicht gut finden können, dass jede und jeder nach seiner Fasson selig
werden soll. Den Weg zum Himmel hat Jesus echt bitter und teuer geöffnet. Sein Kreuz
ist und bleibt der einzige Türöffner zu Gott.
• Nein, wir können uns nicht damit anfreunden, dass die Bibel zum Spielball unserer
Meinungen und Vorstellungen wird. Gottes Wort redet echt lebendig – und wer es nach
seinen eigenen Vorstellungen zurechtschneidet, der muss sich nicht wundern, wenn am
Ende nur ein toter Buchstabe übrig bleibt, dessen echten Anspruch man nicht mehr hört,
weil man ihn sich vom Hals geschafft hat. Deshalb gibt es keine Alternative dazu, dieses
Wort der Bibel in einer einzigen Offensive Tag für Tag, Jahr für Jahr unter die Leute zu
bringen.
• Nein, wir sagen nicht „Ja“ zur scheinbaren echt guten Vielfalt aller möglichen und
unmöglichen Lebensentwürfe, die Menschen sich erträumen. Es ist nicht egal, in
welcher Art von Beziehungen wir Liebe leben und gestalten. Gott hat seinen Segen echt
auf das lebenslange Miteinander von Mann und Frau gelegt – auf Treue und auf Liebe,
die füreinander Opfer bringt, um des anderen willen auf vieles verzichtet, um die Liebe
kämpft, Kinder als Gottesgeschenk achtet und immer neu aus der Vergebung Gottes
miteinander lebt. Wir stehen dazu, dieses „Zukunftsmodell Familie“ vorzuleben (mit allen
Unzulänglichkeiten), allen anderen Beziehungskonstrukten himmelweit vorzuziehen und
seinen Vorrang einzufordern.
7. Wir sehen echte Aufgaben vor uns – die wir nach und nach anpacken wollen:
• „Wachsende Kirche“ ist kein abgeschlossenes landeskirchliches Projekt, sondern ein
echter Dauerbrenner. Wir wollen Impulse geben, wie diese Bewegung weitergeht.
Gemeinden können wachsen. In die Tiefe durch Gebet, Bibel und durchlebte
Glaubenszweifel. Und in die Weite durch missionarische Gottesdienste (auch in neuer
Form), Zielgruppenevangelisation und die Einheit von missionarischem Handeln und
diakonischer Glaubwürdigkeit.
• Wir brauchen eine neue Profilierung des „lutherischen Pietismus“, der biblisch,
landeskirchlich, christuszentiert, sakramentsfreundlich und auf persönliche Bekehrung
und Hingabe ausgelegt ist. Wie kann eine solche Glaubensrichtung in der nächsten
Generation aussehen? Was macht denn einen waschechten Pietisten heute aus? Hier
wollen wir nicht allein staunend oder kritisch zusehen, was sich im Bereich der
Freiwilligkeitskirchen-Bewegungen hier und in den USA tut. Sondern wir möchten
praktisch weiter helfen, dass Menschen gerne in dieser lebendigen Tradition verwurzelt
bleiben und sich neu verwurzeln.
• Wie können das besondere Profil, die besonderen Aufgaben und Gaben des Pietismus
einer breiten Öffentlichkeit werbend vermittelt werden? Seien wir unerschrocken! Die
Ansätze sind echt viel versprechend: Als Pietismus haben wir nichts in der
Fundamentalismusecke zu suchen. Wir standen und stehen immer für die Mitte der
Kirche, zu der wir sie rufen. Wie nutzen wir, dass wir in der Evangelischen Allianz und in
der weiteren Ökumene als „Württemberg“ besonders geschätzt sind – mit der geistlichen
Substanz, die dem Pietismus geschenkt ist? Wir sind weit bekannt als ernst zu
nehmender, geistlicher Gesprächspartner. Was machen wir daraus? Der Pietismus hat
(zumal in Württemberg) die Art zu leben, zu wirtschaften und miteinander umzugehen
bis in weite Bereiche unserer Gesellschaft maßgeblich geprägt. Ehrlichkeit, Fleiß,
soziales Unternehmertum – die wurden durch Leute aus dem Pietismus gelebt. Wie
tragen wir diese Werte wieder stärker in die Öffentlichkeit? Und wie gewinnen wir Leute,
die diese Werte in der Wirtschaft und Politik verkörpern, wieder mehr für den Pietismus?
Anders gesagt: wie machen wir ihnen klar, wie pietistisch sie eigentlich sind!?
• Wir brauchen eine Verbreiterung unseres Anliegens hinein in die jüngere Generation.
Sie fragt besonders danach, wie echt wir es meinen. Und sie entlarvt zielsicher alle
unechten Lippenbekenntnisse. Lassen wir uns von einer nachfolgenden Generation in
Frage stellen? Jugendtreffen, Jugendverbände, Jugendgottesdienste,
Jugendmissionskonferenz, Jugenddiakoniefestivals – es gibt so viele hervorragende
Ansätze. Aber es bleibt eine Aufgabe, die Identifikation mit den Grundanliegen des
Pietismus voranzubringen. Und das kann nur sein, indem wir Älteren hören, hinschauen,
ein echt weites Herz ständig pflegen und Jüngere an Verantwortung mit beteiligen. Wie
kann solch eine „Zukunftsinitiative“ des Pietismus praktisch aussehen? Fragen wir die
Jüngeren.
„Echt durch Jesus“ – alle diese Anmerkungen haben ihren Wert nur insoweit, als sie Jesus und
seine
Ziele im Blick haben. Durch Jesus allein gewinnen sie ihren Wert und ihre Dringlichkeit. An ihm
und seinem Auftrag lassen Sie uns diese Ziele und Inhalte immer messen. Und dann
lebensecht und zuversichtlich unseren Glauben leben. (idea)
(31.05.2008716:21)


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