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Linksfaschisten vs. Lebensschützer II |
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antifa NT Muenchen schrieb:
> Am 4. Oktober wollen christlich-fundamentalistische
> Abtreibungsgegner_innen in München eine "Gebetsprozession" von der
> Münchener Freiheit zum Marienplatz veranstalten. Außerdem wollen sie
> vom 3.-5. Oktober einen Kongress in der Residenz veranstalten.
>
> Dazu wollen wir gerne in einem offenen Bündnis arbeiten. Das nächste
> Bündnistreffen findet am kommenden Dienstag, 9.9.2008, um 20 Uhr im
> Marat statt.
> Bitte leitet diese Email auch an alle möglichen Interessierten weiter.
> Unten findet ihr noch einen Infotext mit ein paar weiterführenden Links.
>
> antifant - münchen
>> "Lebensschützer in München"
>
> Jeden Tag stehen sie vor einer Klink in München.
> Dort werden auch Abtreibungen vorgenommen.
> Alle Frauen, die dort hinein wollen, werden von ihnen beschimpft und
> eingeschüchtert.
> Sich selbst nennen sie geradezu zynisch „Lebensschützer".
>
> Für den 4. Oktober planen diese christlichen Abtreibungsgegner_innen
> aus ganz Europa unter dem Motto „Tausend Kreuze für das Leben" einen
> Gebetsmarsch durch München.
> Dieser wird organisiert von der in der Westendstraße ansässigen
> Organisation „Euro Pro Life" die europaweit mit religiöser und
> völkischer Rhetorik gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen1
> eigenen Körper hetzt.
> Neben dem Marsch sind auch ein Kongress zum Thema in der Münchner
> Residenz sowie ein Gottesdienst geplant.
>
> Das Spektrum der „Lebensschützer" setzt sich aus christlichen Kreisen
> aller Konfessionen zusammen.
> Sie organisieren sich in zahlreiche Gruppen, wie etwa „Euro Pro Life",
> „Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren" (KALEB) oder auch
> „Helfer für Gottes Kostbare Kinder".
> Die katholische Amtskirche ist einer der größten Unterstützer dieser
> Strömung.
>
> Zentraler Bestandteil der Ideologie der „Lebensschützer" ist es,
> Frauen das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper
> abzuerkennen.
> Dabei berufen sie sich auf die „Schöpfungsordnung nach Adam und Eva",
> eine zutiefst patriarchale und heteronormative2 Ordnung.
> Dieses am Bibeltext orientierte Weltbild bildet das Fundament ihrer
> frauenfeindlichen, homophoben und rassistischen Ideologie.
>
> Trotz aller Kämpfe der Frauenbewegung ist die konkrete Realität von
> Herrschaft in kapitalistischer Gesellschaften noch patriarchal.
> Das äußert sich z.B. darin, dass hauptsächlich Männer vorrangige
> Stellungen in Gesellschaft, Politk, Kultur, Wirtschaft etc. innehaben.
> In der gesellschaftliche Arbeitsteilung erfüllen Frauen vor allem
> „reproduktive" Tätigkeiten, wie z.B. Haushalten oder Kinderkriegen
> bzw. -erziehen, währenddessen „produktive" Tätigkeiten eher von
> Männern erfüllt werden.
> So erscheinen Frauen wie Männer nicht als selbstständige Individuen,
> sondern werden mit ihrer gesellschaftlichen und ökonomischen Rolle als
> Mutter bzw. als Vater zwangsidentifiziert.
>
> Unter dieser Leugnung der Individualität wird dann auch der schwangere
> Körper in den Dienst von Gott, Volk und Nation gestellt und jedwede
> Selbstbestimmung aberkannt.
> Somit entspringt die Ideologie der „Lebensschützer" nicht einzig dem
> Glauben an Gott und die biblische Schöpfung, sondern auch der
> konkreten kapitalistischer Realität.
>
> Die reaktionäre Ausprägung der „Lebenschützer"-Ideologie verdeutlicht
> auch ein Zitat von Kardinal Wyszinski. Er sagte 1970:
> „Die Mutter hat ein Recht am eigenen Körper, aber nicht auf das
> empfangene Kind, denn dieses gehört schon Gott und der Nation."
> [Zitiert nach „Vorsicht «Lebensschützer»", Konkret Literatur Verlag]
>
> Nicht nur der Körper der Frauen, der einzig auf seine Funktion des
> Kinderkriegens reduziert bleibt und ansonsten als sündhaft abgelehnt
> wird, steht unter der Herrschaft von Konstrukten wie Gott oder Nation,
> auch wird schon längst vor der Geburt Anspruch auf das „empfangene
> Kind" angemeldet.
> Auch wird sehr deutlich der Bogen von der Religion hin zum
> Nationalismus gespannt.
> Gerade in Deutschland führt dies oft zu einer völkischen Denkweise,
> die vom „Aussterben der Deutschen" spricht und einhergeht mit mit
> Relativierungen des Holocausts und Verhöhnungen der Opfer des
> Nationalsozialismus, z.B. durch Wortneuschöpfungen wie „Babycaust".
>
> Die katholische Zeitung des Bistums Münster „Kirche und Leben" schrieb
> beispielsweise:
> „Die Nazis haben ihren Massenmord immerhin noch mit einer Ideologie
> versehen. Es war nicht kaltherzige Ichsucht, wie etwa heute bei der
> Abtreibung.
> Diese Tötung aus rücksichtsloser Selbstsucht ist darum moralisch
> niedriger anzusetzen.
> Nazis haben sich an unschuldigen Menschen ausgelassen, die weitgehend
> erwachsen waren und sich gegen das ihnen geschehene Unrecht empören
> konnten. Bei der Abtreibung (...) ungeborener Kinder, die kein Wort
> sprechen können (...) [ist] die Charakterlosigkeit noch niedriger
> anzusetzen als bei den Nationalsozialisten."
> Dass bei solch einer Mischung aus Holocaustrelativierung und
> rassistisch-völkischen Positionen auch schon lokale Neonazis auf den
> 1000-Kreuze-Marsch mobilisieren, überrascht da nicht mehr.
>
> Es wäre jedoch falsch, die „Lebensschützer" als irrelevanten,
> gesellschaftlich isolierten Teil der extremen Rechten abzutun.
> Sie sind leider fest in der Gesellschaft verankert und in vielen
> gesellschaftlichen Organisationen vertreten. Sie lassen sich nicht nur
> in Kirchen sondern u.a. auch in Parteien, Gewerkschaften oder bei
> Ärzt_innen- und Anwält_innenorganisationen finden.
> Dort können sie ihre Positionen gesellschaftlich verankern und
> letztendlich dafür sorgen, dass immer mehr Frauen der Zugang zu
> medizinisch sicheren Abtreibungen verwährt bleibt/wird.
> Der insgesamt zu beobachtende antifeministische Rollback macht es
> ihnen dabei immer leichter ihre frauenverachtenden Positionen
> durchzusetzen.
> Gegen diese gesellschaftliche Verankerung gilt es immer und überall
> vorzugehen.
> Denn feministische Kämpfe sind noch lange nicht am Ende angelangt und
> müssen weitergeführt werden.
>
> Ein Schwangerschaftsabbruch ist in der BRD immer noch rechtswidrig.
> Zwar ist er inzwischen bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei,
> doch jede Frau, die einen Abbruch vornehmen lassen will, muss sich
> einer Zwangsberatung unterziehen.
> Diese Praxis stempelt Frauen als „potentiell verantwortungslos,
> unwissend und unmündig" ab.
> [Zitat von Sarah Diehl, siehe „Zum Weiterlesen"]
>
> Wir halten es für besonders wichtig, dass wir uns gemeinsam, laut,
> kreativ und kraftvoll den „Lebensschützern" in den Weg stellen und
> deutlich machen, dass jede Frau immer und überall das Recht auf ihren
> eigenen Körper hat.
> Dieses Recht kann ihr keine_r absprechen und schon gar nicht
> irgendwelche selbsternannten „Lebensschützer".
> Denn regressive und menschenverachtende Politik muss immer und überall
> offen angegriffen werden und wenn sie sich, wie im Oktober in München,
> ganz offen zeigt, dann erst recht.
>
> 1 Wenn wir in diesem Kontext von Frauen sprechen, meinen wir
> ausschließlich das biologisches Geschlecht. Ganz klar werden Männer
> oder Frauen nicht als solche geboren, sonderen die sozialen
> Geschlechterrollen (Gender) mit ihren spezifischen Eigenschaften
> werden Menschen erst im Zuge der Sozialisation auferlegt.
>
> 2 „Heteronormativität" beschreibt ein binäres („zweiteiliges")
> Geschlechtssystem, in welchem lediglich genau zwei Geschlechter
> akzeptiert sind, und das Geschlecht mit Geschlechtsidentität,
> Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung gleichsetzt.
>
> 3. - 5. Oktober
> Kongress der "Lebensschützer" in München
>
> 4. Oktober
> "Lebensschützer"-Marsch in München
>
> Zum Weiterlesen:
>
> Bikepunk089
> http://bkpnk089.blogsport.de/2008/07/31/salzburg-linke-milizionaere-gegen-lebenschuetzer_innen/c
> http://bkpnk089.blogsport.de/2008/08/14/berlin-stinkt-ab-wer-wettet-mit/
> http://bkpnk089.blogsport.de/2008/08/26/actions-gegen-lebenschuetzer_innen/
>
> Sarah Diehl
> „Der Schwangerschaftsabbruch gehört zum Leben dazu"
> http://www.copyriot.com/diskus/07-2/pdf/d07-2_leben.pdf
>
> Frauen gegen den §218 – Bundesweite Koordination (Hg.)
> „Vorsicht «Lebensschützer» - Die Macht der organisierten
> Abtreibungsgegner"
> Konkret Literatur Verlag
>
> Indymediabericht über Aktionen in Salzburg:
> http://de.indymedia.org/2008/07/223274.shtml
>
> Mädchenblog
> Pro-Choice: Für das Recht auf Abtreibung!
> http://maedchenblog.blogsport.de/2008/05/20/pro-choichefuer-das-recht-auf-abtreibung/
>
> Berliner Aktionsbündnis gegen die "Lebensschützer"
> http://no218nofundis.wordpress.com
>
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DEA zu Beck vs. Christival Plötzlich war Sölle weg
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