Nachruf Prof. Rohrmoser

Führende protestantische Stimme in der Philosophie
Der Anti-68er: Zum Tode des konservativen Sozialphilosophen Prof. Günter Rohrmoser
Ha r a l d Se u b e r t
Am 15. September starb der Philosoph Günter Rohrmoser nach kurzer, schwerer Krankheit in
Stuttgart. Rohrmoser – 1927 in Bochum geboren – war die führende protestantische Stimme in
der Philosophie des 20. Jahrhunderts, die auch ein reiches ökumenisches Echo fand. Nach
Dozenten- und Professorenjahren in Münster und Köln wurde er 1976 als Ordinarius für
Sozialphilosophie an die Universität Hohenheim bei Stuttgart berufen, wo er bis zuletzt lehrte.
Die reformatorische Grunderkenntnis von der Rechtfertigung des Menschen durch die
Menschwerdung Gottes in Jesus Christus brachte er gegen die Emanzipationszwänge der
Kulturrevolution von 1968 zum Leuchten. Platon, Luther und Hegel waren die Zentralgestirne in
Rohrmosers Denken, der in dem mittlerweile legendären Kreis um Joachim Ritter seine
entscheidenden Prägungen erhalten hatte. Seine zentrale Sorge galt der Wiederherstellung der
genuin christlichen Frage in der Moderne: Ohne sie droht, wie er wusste, der Kultur
Selbstzerstörung und Rückfall in Barbarei und Totalitarismus. Rohrmoser faszinierte bis zuletzt
ungezählte Hörer durch seine in freier Rede gehaltenen Vorlesungen und Vorträge. Zu seinem
achtzigsten Geburtstag erschien eine großangelegte Festschrift
(herausgegeben von Philipp
Jenninger, Rolf W. Peter und Harald Seubert) unter dem – auf Luther bezogenen – Titel:
„Tamen! Gegen den Strom“. Ein reicher Nachlass harrt der Erschließung und Publikation.

(Kann über das KSBB-Büro bestellt werden!)

(Der Autor, Prof. Dr. Harald Seubert, ist Ordinarius für Kulturphilosophie und Ideengeschichte des
deutschen Sprachraums an der Adam Mickiewicz-Universität Poznan (Posen)/Polen.)
(17.09.08/17:43)


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