Judenmission undenkbar?

M ü n c h e n (idea) – Große Unruhe hat eine Erklärung der vier kirchenleitenden Organe zum christlich-jüdischen Verhältnis in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ausgelöst. Im November hatten Landessynode, Landesbischof, Landessynodalausschuss und Landeskirchenrat ein Papier verabschiedet, in dem sie sich zur Unterstützung der jüdischen Gemeinden verpflichten.

Darin werden Aktivitäten als „undenkbar“ bezeichnet, „die das Ziel einer Konversion von Juden zum Christentum verfolgen“. An dieser Aussage nehmen mehr als 100 Pfarrer, Dekane, und Theologieprofessoren sowie zahlreiche Kirchenmitglieder Anstoß. In einem Offenen Brief haben sie am 26. Januar ihre Bedenken der Kirchenleitung übermittelt. Ihrer Ansicht nach wenden sich die Gremien nicht nur dagegen, dass man Juden durch Zwangsmaßnahmen oder Versprechungen bekehren will. Dafür gebe es eine „uneingeschränkte Zustimmung“. Vielmehr scheine es, dass die biblische Aufforderung in Frage gestellt werde, das Evangelium gegenüber Juden zu bezeugen. Dies wäre auch ein Widerspruch zu den Berichten über die erste Christenheit, heißt es. Für die Apostel sei es selbstverständlich gewesen, auch gegenüber Juden „von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“ (Apostelgeschichte 4,20). Weiter fragen die Unterzeichner des Offenen Briefs, ob die landeskirchliche Erklärung bedeute, dass Pfarrer jüdische Taufbewerber abweisen sollen. Darauf könne nur mit einem klaren Nein geantwortet werden, so die Antwort.

Die Kirche besteht aus Juden- und Heidenchristen
Kritik üben die Unterzeichner auch an der Ankündigung der Landeskirche, über ihre Stellung zu den „messianischen Juden“ diskutieren zu wollen. Sie betonen, dass die an Jesus Christus glaubenden Juden „unsere Brüder und Schwestern im Glauben an den Sohn Gottes und Teil seiner Welt und Zeit umspannenden Kirche“ sind. Diese bilde den Leib Christi und verbinde Juden- und Heidenchristen. Diese Verbundenheit dürfe nicht zur Disposition gestellt werden.

Wie umstritten ist das trinitarische Gottesbekenntnis?
Einen Verstoß gegen das christliche Glaubensbekenntnis sehen die Kritiker auch in der Charakterisierung des Bekenntnisses zur Dreieinigkeit Gottes als eine „umstrittene Grundfrage des christlichen Selbstverständnisses“. Die Selbstoffenbarung Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist sei grundsätzlich jeder Diskussion entzogen. Die Unterzeichner des Offenen Briefs, darunter die Professoren Walter Sparn, Manfred Seitz (beide Erlangen) und Hans Schwarz (Regensburg) sowie der Bankier Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell bei Würzburg), erwarten „eine vertiefte Erläuterung des gemeinsamen Wortes“. Initiator der Protestaktion ist Pfarrer Martin Fromm (Rüdenhausen bei Schweinfurt). Unterstützung bekam er von der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (Ansbach).


Dokumentation: Wort aller kirchenleitenden Organe
APS-Initiative „Für Freiheit und Selbstbestimmung“