EKD-Ratsmitglied beschwert sich beim ZDF

EKD-Ratsmitglied protestiert gegen ZDF-Beitrag
Gudrun Lindner: Christen sind keine Terroristen
Weissbach/Mainz (idea) – Erstmals hat jetzt ein EKD-Ratsmitglied gegen einen umstrittenen
Beitrag des ZDF-Magazins „Frontal 21“ über evangelikale Missionsarbeit protestiert. In der
Sendung vom 4. August waren missionarisch engagierte Christen mit islamischen
Selbstmordattentätern verglichen worden. „Bereit sein, für Gott zu sterben. Das klingt vertraut –
bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten“,
sagte Moderatorin Hilke Petersen. In dem Magazinbeitrag hieß es ferner, es gebe eine „lange,
unheilige Tradition“, für Gott als Märtyrer zu sterben. Der Beitrag löste eine Welle der Empörung
auf. Eine Reihe evangelikaler Organisationen und Personen richtete Programmbeschwerden an
den ZDF-Intendanten Markus Schächter, weil die Sendung Evangelikale diffamiere und falsche
Behauptungen aufstelle. EKD-Ratsmitglied Gudrun Lindner (Weißbach/Erzgebirge) äußerte
sich in einem Brief an Schächter „entsetzt“ über den Beitrag: „Ausgerechnet von einem
öffentlich-rechtlichen Sender werden ideologische Mauern errichtet.“ Wenn man Christen
überhaupt „radikal“ nennen könne, dann seien sie es zuerst gegen sich selbst und freiwillig,
indem sie „ganz und gar der Friedens- und Hilfsbotschaft Jesu“ folgten. „Christen sind keine
Attentäter und keine Terroristen. Wo sie es in der Vergangenheit waren, konnten sie sich nicht
auf Christus berufen“, so die frühere Präsidentin der sächsischen Landessynode.
Bitte keine Häme!
Lindner erinnerte Schächter an dessen Besuch beim Rat der EKD: „Ich hoffe, Sie haben dem
damaligen Gespräch die wohlwollende Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens
durch die Evangelische Kirche entnehmen können.“ Diese Unterstützung gelte insbesondere
einer gut recherchierten Berichterstattung und eines toleranten Miteinanders. „Häme und
Diskreditierung gehören nicht dazu“, so Lindner. Ihre Bitte an Schächter: „Sorgen Sie bitte für
ein Zweites Deutsches Fernsehen, dass die Bezeichnung ‚öffentlich-rechtlich’ weiterhin
verdient!“
Nimmt nur die sächsische Kirche Anstoß?
Proteste führender Kirchenvertreter sind bisher nur aus Sachsen bekannt geworden. Vor
Lindner hatte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) scharfe Kritik an dem
Beitrag von Frontal 21 geübt und eine Richtigstellung gefordert. Vor dem Hintergrund der
Ermordung von zwei deutschen Bibelschülerinnen im Juni im Jemen erklärte er, die verbale
Gleichsetzung von Selbstmordattentätern mit Ermordeten sei „eine nicht zu akzeptierende
Entgleisung“. Vom EKD-Kirchenamt in Hannover war auf idea-Anfrage keine Stellungnahme zu
dem Beitrag zu erhalten.
(15.08.2009/09:09)


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