Amoklauf in Ansbach

Notfallseelsorger helfen nach Amoklauf in Gymnasium
19-Jähriger warf Molotowcocktails und verletzte neun Schüler
Ansbach (idea) – Nach einem Amoklauf an einem Gymnasium im mittelfränkischen Ansbach
haben mehr als 20 evangelische und katholische Seelsorger Hilfe geleistet. Ein 19-Jähriger war
am Morgen des 17. September mit einer Axt und Brandsätzen in die Schule gestürmt. Nach
Polizeiangaben zündete er in zwei Klassen Molotowcocktails. Dabei wurden acht Kinder und
einen Lehrer verletzt. Ein Mädchen habe schwere Brandverletzungen erlitten, ein anderes tiefe
Stichwunden am Kopf. Der Angreifer sei von einem Beamten durch mehrere Schüsse aus einer
Maschinenpistole schwer verwundet worden. An der psychologischen Betreuung von Schülern,
Eltern, Lehrern und Einsatzkräften beteiligten sich außer den Polizeipsychologen auch 21
ökumenische Notfallseelsorger aus dem Dekanat Ansbach, teilte der Beauftragte für
Notfallseelsorge in der bayerischen Landeskirche, Pfarrer Hanjo von Wietersheim
(Wiesenbronn/Unterfranken) idea mit. Meist habe es sich um Gemeindepfarrer gehandelt;
einige Seelsorger seien ehrenamtliche Mitarbeiter von Rettungsorganisationen. In den nächsten
Tagen würden sich Schulseelsorger und Spezialisten des Kriseninterventionsteams um die
Schüler kümmern. Möglicherweise finde auch ein Gottesdienst statt, um in einem rituellen
Rahmen die aufgebrochenen Fragen zu bedenken. Aus Erfahrung wisse man, dass viele
Menschen hofften, von der Kirche zu erfahren, „warum Gott solche Verbrechen zulässt“.
Leiter des „Projekts Blaulicht“ kam als Feuerwehrmann
Unter den Seelsorgern war auch der Leiter des „Projekts Blaulicht“, Gerhard Werner
(Weihenzell bei Ansbach), mit dem die ökumenische Notfallseelsorge nicht zusammenarbeiten
will. Anfang des Jahres hatte von Wietersheim dem Ansbacher Landratsamt geschrieben, dass
die ökumenische Notfallseelsorge nicht mehr an Einsatzstellen arbeiten werde, an denen
Werner tätig sei. Der Grund waren unterschiedliche Ansichten über die Aufgabe und
Durchführung von Notfallseelsorge. Werner wurde als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zum
Ansbacher Gymnasium gerufen und von seinem Kommandanten mit der seelsorgerlichen
Begleitung der Einsatzkräfte betraut. Er habe einen großen Gesprächsbedarf festgestellt, sagte
Werner gegenüber idea. Auch zu einigen offiziellen Notfallseelsorgern habe es gute Kontakte
gegeben. Hinter dem „Projekt Blaulicht“ steht der pietistische Hensoltshöher
Gemeinschaftsverband. Der Amoklauf von Ansbach weckt Erinnerungen an andere Gewalttaten
an deutschen Schulen. Im März tötete der 17-jährige Tim K. in Winnenden und Wendlingen bei
Stuttgart 15 Menschen. Die Tat animierte zahlreiche Nachahmer. Im Jahr 2006 überfiel ein 18-
Jähriger im westfälischen Emsdetten seine frühere Schule, verletzte fünf Personen und tötete
sich selbst. Im April 2002 richtete ein Ex-Schüler in einem Erfurter Gymnasium ein Blutbad an.
Der 19-Jährige erschoss 16 Schüler und Lehrer.
(17.09.2009/16:51)


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