Altbischof warnt: Glaubensfundamente brechen weg

Altbischof warnt: Glaubensfundamente brechen weg
Wilckens: Selbst Kirchenleiter halten Sühnetod Jesu für unzumutbar
Bad Gandersheim (idea) – Scharfe Kritik an einer Zerstörung zentraler Glaubensinhalte in der
evangelischen Kirche hat der nordelbische Altbischof Ulrich Wilckens (Lübeck) geübt. Dies
gehe so weit, dass sogar kirchenleitende Amtsträger und akademische Lehrer die
Grundbotschaft vom Sühnetod Jesu Christi am Kreuz als „unzumutbar gewordenen Ballast aus
alten Zeiten“ abtäten. Die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu zu bestreiten, gelte geradezu als
„Erfordernis intellektueller Ehrlichkeit“, sagte Wilckens am 9. Oktober auf dem Dritten
Ökumenischen Bekenntniskongress in Bad Gandersheim. Veranstalter ist die Internationale
Konferenz Bekennender Gemeinschaften. Wilckens bezeichnete es als bedrohlich, dass es
nirgendwo einen kirchenleitenden Widerstand gegen die Zerstörung dieser christlichen Wurzeln
gebe. Jesus Christus werde heute vor allem als „sympathischer Lehrer der Nächstenliebe“ im
Sinne einer Toleranz gesehen, die jedem Menschen seine persönliche Glaubens- und
Lebensweise zugestehe. Als „Herr“ dürfe Jesus Christus insbesondere „modernen Frauen“ nicht
mehr zugemutet werden.
Laut Wilckens brechen aufgrund dieser Entwicklungen „Fundamente des Christusglaubens“
weg, „die die Einheit aller rechtgläubigen Christen begründen“. Das eigentliche ökumenische
Problem bestehe deshalb vorrangig nicht mehr in den theologischen Gegensätzen der
Reformationszeit, sondern darin, dass alle Verbindlichkeit reformatorischer wie katholischer
Glaubenslehre aufgelöst werde. Damit verbunden sei eine „grenzenlose Toleranz“ für jedwede
individuelle religiöse Prägung. Ein solches Verständnis von Toleranz widerspreche grundlegend
dem Sinn der Freiheit, wie sie im Neuen Testament verkündigt wird. Der Altbischof nannte es
daher verständlich, dass die römisch-katholische Kirche angesichts der Unklarheit in Lehre und
Praxis der evangelischen Kirche gegenwärtig Bedenken habe, diese als Kirche anzuerkennen.
„Rom“ sieht in den protestantischen Kirchen nur „kirchliche Gemeinschaften“.
Für „ökumenische Wiedervereinigung“
Wilckens bezeichnete es deshalb als vordringliche Aufgabe am Beginn des 3. Jahrtausends,
die vielfachen Spaltungen des 2. Jahrtausends zu überwinden und eine „ökumenische
Wiedervereinigung“ zu erreichen. Dazu gehöre für die evangelische Kirche jetzt vor allem eine
Überwindung ihrer eigenen Irrlehren, in denen sie befangen sei: „Ein Weiter so im ständig
weiter Wirkenlassen eines Liberalismus grenzenloser individueller Toleranz darf es nicht
geben.“
(10.10.2009/12:36)


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