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Wenn unsere Soldaten töten
Friedensethische Überlegungen zum Bombenangriff bei Kunduz
Die Zeit der politischen Unwahrhaftigkeit in Sachen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ist jetzt vorbei. Die Soldaten befinden sich zusammen mit ihren NATO-Verbündeten in einem bewaffneten Konflikt hoher Intensität. Das Mandat der Vereinten Nationen, der rechtmäßigen Regierung bei der Herstellung von Frieden und Sicherheit zu helfen, schließt Kampfeinsätze ein und liefert eine saubere völkerrechtliche Grundlage. Das Mandat des Deutschen Bundestags vom 3. Dezember 2009 für die Bundeswehr ist nur für Fachjuristen klar und enthält – reichlich verklausuliert – die Ermächtigung, im Rahmen des UN-Mandats tätig zu werden. Kampfeinsätze sind eingeschlossen. Die Bundeswehr darf also Taliban-Kämpfer zu jeder Zeit selbstständig, auch gezielt, angreifen und töten. Aber so deutlich hat es weder die Große Koalition noch die neue Regierung den eigenen Abgeordneten und der Öffentlichkeit gesagt.
Afghanistan-Einsatz: Konzept fehlt
Die blutige Wirklichkeit von 36 eigenen getöteten und gefallenen Soldaten korrespondiert mit der genauso blutigen Wirklichkeit getöteter Feinde, aber auch versehentlich getöteter Zivilisten. Die Friedensdenkschrift der EKD von 2007 akzeptiert bewaffnete Friedenssicherungseinsätze im Rahmen der Vereinten Nationen, wenn einsichtige und zwingende Gründe vorliegen. Der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann mahnt seit seinem Amtsantritt im September 2008 unverdrossen von der Bundesregierung ein klares Konzept für den Afghanistan-Einsatz an. Er fordert zu Recht Klarheit darüber, wofür unsere Soldaten im Kampfgebiet Tag für Tag ihr Leben einsetzen. Zu Recht tritt er als Fürsprecher unserer Soldaten auf, die immer häufiger psychisch angeschlagen aus dem Einsatz zurückkehren. Nun kommt die Kehrseite des eigenen Lebensrisikos hinzu: Unsere Soldaten müssen zur Auftragserfüllung auch töten. Der evangelische Militärbischof kann mit sehr vielen Zeitgenossen kein Konzept für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der NATO sehen. Er kann nicht erkennen, wann und wie die politisch Verantwortlichen den Einsatz beenden wollen. Dann aber wird dessen Legitimation immer fraglicher.
Ratlosigkeit über Gewalt
Wenn unsere Soldaten im Kampf sterben und Gegner töten, dann kann dies friedensethisch nur im Blick auf ein Friedensziel gerechtfertigt werden, das diese Opfer im weitesten Sinn sinnvoll erscheinen lässt. Im Blick auf ein realistisches Friedensziel wäre die deutsche Bevölkerung imstande, die Opfer auf beiden Seiten – auch bei unbeteiligten Afghanen – politisch und menschlich mitzutragen. Die Ratlosigkeit, das Erschrecken über die ausufernde Gewalt in Afghanistan, macht auch die friedensethische Betrachtung extrem schwierig. Unsere Soldaten riskieren ihr Leben und sie schießen auf Feinde im Grunde nur auf vage Hoffnung hin, dass die Dinge im Land am Hindukusch bald etwas besser werden. Was sie in dieser Lage am wenigsten verdienen, wäre indes eine Wiederauflage der „Soldaten-sind-Mörder-Kampagne“ in den 90er Jahren. Im bewaffneten Konflikt Gegner zu töten, ist für viele eine schwere Belastung, er kann genauso schwer wie die eigene Verwundung und der Tod von Kameraden werden. Über Schuldgefühle können sie oft nur schwer sprechen und benötigen deshalb auch kirchliche Hilfe.
Internationale Friedenssicherungseinsätze wie jetzt in Afghanistan haben keine Zukunft. Christen werden künftig noch häufiger als jetzt mit schlimmen Gewalttaten in allen Teilen der Welt konfrontiert werden, ohne dass wirksame Hilfe kommt. So halten sich die Europäer inzwischen in Afrika weitgehend aus solchen Konflikten heraus, siehe Kongo, siehe Somalia und so weiter. Doch auch wenn auswärtige Soldaten in solchen Konfliktgebieten nicht mehr sterben und töten, wird die Welt nicht friedlicher werden. Das sollten gerade Christen jetzt schon bedenken, wenn sie den schnellen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan fordern.
(Der Autor, Gerhard Arnold (Würzburg), ist Theologe und friedensethischer Publizist.)
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Darf die Kirche der Politik zum Abzug aus Afghanis Aktuelles
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