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Darf die Kirche der Politik zum Abzug aus Afghanistan raten?
Die EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Margot Käßmann (Hannover) hat mit kritischen Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr in ihrer Neujahrspredigt und anderen öffentlichen Stellungnahmen viel Unmut und Kritik bei Politikern und Militärvertretern hervorgerufen. Der Theologe Prof. Dr. Rolf Wischnath (Bielefeld), Dozent an der Universität Bielefeld und bis 2004 Generalsuperintendent der berlin-brandenburgischen Kirche im Sprengel Cottbus, hält die Aussagen der Bischöfin für gerechtfertigt. Der Theologe und Publizist Gerhard Arnold (Würzburg) sieht darin eine unangebrachte Einmischung.
Kontra: Die Kirche hat im Blick auf Afghanistan keine bessere Einsicht als die Politik
In Afghanistan gibt es keine Kirchen und Gemeinschaften. Deshalb unterhält die EKD zu diesem Land keinerlei kirchliche Beziehungen. Bei öffentlichen Äußerungen zur Konfliktlage in diesem Land am Hindukusch kann die evangelische Kirche keine ökumenische Verantwortung wahrnehmen.
Zuständig für öffentliche kirchliche Erklärungen ist hauptsächlich der evangelische Militärbischof. Er nimmt kirchliche Verantwortung für die evangelischen Soldatinnen und Soldaten wahr und zeigt dies auch deutlich. Er ist Fürsprecher ihrer Nöte, insbesondere wegen der steigenden Zahl von psychisch traumatisierten Rückkehrern. Er fordert deshalb u. a., die deutsche Gesellschaft müsse sich mit diesem Problem auseinandersetzen, weil ja die Soldaten im Auftrag des Landes in Afghanistan eingesetzt sind. Er forderte auch seit seinem Truppenbesuch Ende Mai 2009 Wahrhaftigkeit von der Politik, die tägliche Erfahrung der Soldaten ernst zu nehmen, sie würden sich im Krieg befinden. Er möchte auch von der deutschen Politik ein realistisches Afghanistan-Konzept hören und – damit verbunden – ein Ausstiegsszenario.
Der evangelische Militärbischof nimmt mit den genannten öffentlichen Äußerungen kirchliche Verantwortung wahr. Zu Recht fordert er aber von der Politik keinen schnellen Rückzug der Bundeswehr. Das ist eine Entscheidung der politisch Verantwortlichen, nicht der Kirche. Nach evangelischer Auffassung sind die politischen Entscheidungsträger darin ernst zu nehmen, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen, aber auch unter dem ständigen Anspruch, Kompromisse zu finden, ihre Stimme abgeben. Es wäre ein Unding zu glauben, kirchliche Amtsträger hätten eine bessere politische Einsicht oder bessere Lagebeurteilung zu Afghanistan als Regierung und Parlament.
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