Erklärung zum Angriff von OKR Wagner gegen Löwenth

Die Geschichte einer Verleumdung
Aufregung um idea wegen der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises
Aufregung um idea gab es zwischen den Jahren. Eine Pressemitteilung der Evangelischen
Kirche in Mitteldeutschland (Thüringen und große Teile von Sachsen-Anhalt) sorgte für
Schlagzeilen. In ihr wurde der Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut
Matthies, kritisiert, weil er einen „Preis von der Jungen Freiheit“ verliehen bekommen habe.
Damit aber habe er sich dem Rechtsextremismus genähert. Deshalb solle der Pfarrer den Preis
zurückgeben. Die Pressemitteilung führte zu Meldungen in der Tages- und Kirchenpresse.
Deshalb dazu ausnahmsweise einmal ein Kommentar in eigener Sache von Helmut Matthies.

Es berührt merkwürdig, wenn ausgerechnet von einer Kirche, die der Wahrheit verpflichtet sein
sollte, eine Pressemitteilung erscheint, die schon in der Überschrift falsch ist, denn der
„Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis für Publizistik 2009“ – um ihn geht es tatsächlich – wird gar
nicht in erster Linie von der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ verliehen! (Und wenn es so wäre:
Warum soll eine Zeitung nicht mit Zustimmung der Familie des Namensgebers einen Preis
verleihen dürfen?)

Ein Jude sorgt für ein Kreuz
Zum Hintergrund: Einer der führenden westdeutschen Fernsehjournalisten der Nachkriegszeit war
Gerhard Löwenthal (1922 bis 2002). Als Jude im KZ Sachsenhausen inhaftiert, wurde er in der
Nachkriegszeit vor allem bekannt als Leiter des ZDF-Magazins. Woche für Woche setzte er sich in
insgesamt 587 Sendungen für politische Häftlinge – besonders auch Christen – in
kommunistischen Staaten ein. Unter der Rubrik „Hilferufe von drüben“ gab er Angehörigen von
inhaftierten Gewissensgefangenen in der DDR eine Stimme und sorgte nicht selten für die
Freilassung bzw. Hafterleichterung. Er wurde u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Meine
persönliche Verbindung zu Löwenthal bestand bereits seit 1974, als ich als Theologiestudent
mitverantwortlich für die Studentenmission in Deutschland (SMD) in Hamburg war. Als wir davon
hörten, dass die Kapelle der damals im Zuge der 68er-Bewegung marxistisch orientierten
Evangelischen Studentengemeinde (ESG) als Abstellkammer missbraucht wurde, baten wir darum,
sie wieder ihrem eigentlichen Zwecke zuführen zu dürfen. Es wurde uns erlaubt. Da in der Kapelle
kein Kreuz hing, brachten wir ein Holzkreuz an, das aber bald wieder von der Leitung der ESG
abgehängt wurde. Als hier Proteste nicht halfen, wandte ich mich an Gerhard Löwenthal. Er
berichtete dann tatsächlich im ZDF-Magazin über den Skandal. Das Kreuz durfte dann dauerhaft
bleiben. Der Jude Löwenthal hatte also mit dafür gesorgt, dass in einem Kirchenhaus ein Kreuz
hängen durfte. Fortan blieb ich dem Journalisten verbunden. Als nun seine Witwe – die Ärztin Dr.
Ingeborg Löwenthal – wollte, dass mir der nach ihrem Mann benannte Preis für das Jahr 2009
verliehen wird, habe ich zugesagt, ist mir doch der Namensgeber in seinem Einsatz für
unrechtmäßig Verfolgte ein Vorbild. Ich fragte mich nur, ob ich wirklich des Preises würdig sei im
Blick auf die hohe Bedeutung meiner Vorgänger.

Preisträger sind Autoren von „Stern“ bis „Zeit“
2008 hat ihn einer der bedeutendsten Fernsehjournalisten und Bestsellerautoren, Prof. Dr. Peter
Scholl-Latour (u. a. war er Herausgeber des linksorientierten Magazins „Stern“ und
Fernsehdirektor des wahrlich nicht konservativen WDR), bekommen. Zuvor waren es bereits u. a.
der liberale Verleger, „Zeit“-Autor und Nationalpreisträger Wolf Jobst Siedler (Berlin) und die
Begründerin der Meinungsforschung und langjährige Chefin des Instituts für Demoskopie in
Allensbach, Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann.

Linksliberal & rechtsextrem?
Verliehen wird der Preis seit 2007 von der gemeinnützigen „Förderstiftung Konservative Bildung
und Forschung“ in Berlin. Als Kooperationspartner fungiert die Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
(Die Verbindung der Förderstiftung zu ihr besteht darin, dass zum Stiftungsrat neben Kirchenrat
Dr. Rolf Sauerzapf und Klaus Peter Krause (Geschäftsführer i. R. der FAZIT-Stiftung, die
Eigentümer der FAZ ist) u. a. auch Chefredakteur Dieter Stein gehört.) Nur wer die „Junge
Freiheit“ noch nie gelesen hat, kann sie für extrem halten. Sie ist eine konservative
Wochenzeitung – sonst hätten Persönlichkeiten wie Siedler, Noelle-Neumann und Scholl-Latour
den Preis auch nie entgegengenommen. In meinem Fall gab es nun große Aufregung. Obwohl
der Laudator ein evangelischer Kirchenrat Dr. Rolf Sauerzapf (Kassel) – war, äußerte von der
Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland der Bildungsreferent, Oberkirchenrat Christhard
Wagner (Eisenach), mit der Annahme des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises sei „die Gefahr
verbunden, dass die Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus weiter nach unten
verschoben wird“. Dann aber wären auch die liberalen bis linksliberalen Spitzenköpfe unseres
Landes wie Prof. Scholl-Latour, Siedler und Prof. Noelle-Neumann und der konservative
Gelehrte Caspar von Schrenck-Notzing (Preisträger 2005) alle im „Graubereich zum
Rechtsextremismus“ angesiedelt.

Ein großer Schaden
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat idea (wie natürlich auch dem Ansehen von
Gerhard Löwenthal, Kirchenrat Sauerzapf, Prof. Peter Scholl-Latour, Wolf Jobst Siedler, Prof.
Noelle-Neumann und Dieter Stein) schwer geschadet, vor allem weil sie keinen einzigen dieser
Fakten erwähnt und idea in einen Zusammenhang gebracht hat, der völlig inakzeptabel ist. Das
aber wissen viele Leser der Tages- und Kirchenpresse nicht, die über die Pressemitteilung
berichteten. Die Kirchenpresse, die sich daran beteiligte, hätte es besser wissen können, aber sie
informierte manipulativ und einseitig. Zu nennen sind hier vor allem die Evangelische Zeitung für
Niedersachsen, die mitteldeutsche Zeitung „Glaube und Heimat“, die sächsische Kirchenzeitung
„Der Sonntag“, das Berliner Wochenblatt „die kirche“ und die Katholische Nachrichten-Agentur
(KNA).

Wehe, man ist nicht links
Laut KNA äußerte der Leiter des Referates der EKD für Publizistik, Oberkirchenrat Udo Hahn
(Hannover), er hätte mir – wenn er gefragt worden wäre – abgeraten, den Preis anzunehmen. Damit
steht er nicht allein. Von den wenigen, die ich fragte, haben dies fast alle ebenso getan – nicht weil
sie etwas gegen den Preis hätten, sondern weil sie wissen, dass man in unserm Land alles
annehmen kann, wenn man links ist – aber wehe, man ist es nicht!

Ist diese Kirche antisemitisch?
Warum habe ich den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis für Publizistik trotzdem angenommen (er ist
übrigens mit keinem Euro Preisgeld verbunden)? Weil ich mich sonst gegenüber einem Juden
geschämt hätte, der wie kaum ein anderer Journalist im Westen für Verfolgte und Entrechtete im
kommunistischen Bereich eingetreten ist und sich wie sonst kein Fernsehverantwortlicher für die
Wiedervereinigung Deutschlands engagiert hat. Nun wird ausgerechnet sein Name aus einer
mitteldeutschen Kirche beschmutzt. Ich hätte auch nie für möglich gehalten, dass ein von den
Nationalsozialisten verfolgter prominenter deutscher Jude von einer deutschen Landeskirche – sie
wurde Anfang 2009 aus der thüringischen Landeskirche (mit Sitz in Eisenach) und der
Kirchenprovinz Sachsen (Magdeburg) gebildet – je mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht
werden könnte. Nach der Logik des Bildungsdezernenten Wagner müsste man nun die
Evangelische Kirche in Mitteldeutschland kritisieren, befinde sie sich doch mit ihrer Kritik „im
Graubereich zum Antisemitismus“.
Das eigentliche Problem
Das Problem ist also nicht der Löwenthal-Preis oder die „Junge Freiheit“, sondern eine
evangelische Kirche, die in ihrem massiven „Kampf gegen Rechtsextremismus“ alles, was nicht
links ist, unter den Generalverdacht stellt, rechtsextrem zu sein. Gegen Linksextremismus
wendet sich bisher keine Landeskirche, obwohl gerade Ende des Jahres festgestellt wurde,
dass sich beispielsweise in der deutschen Hauptstadt die Zahl linksextremistischer Gewalttaten
2009 verdreifacht hat, während die Zahl rechtsextremer Gewalttaten bis November 2009
deutschlandweit um 8,5% gesunken ist. Die konservativen Kirchenmitglieder sind – fern allem
Rechtsextremismus, der ebenso wie Linksextremismus mit dem Christsein unvereinbar sein
sollte – die treuesten Kirchenanhänger, wie viele Analysen ergeben haben. Dennoch sind sie in
den letzten Jahren kirchenleitend und durch synodale Äußerungen häufig verprellt worden.
Merkwürdig nur, dass man bei den ungeliebten Kindern nie gleichzeitig auf Spenden und
Kirchensteuern verzichten wollte.
(06.01.2010/14:25)


Konferenz Bekennender Gemeinschaften widerspricht
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