Kirche will Bündnis gegen Rechtsextremismus

Kirche will Einsatz gegen Rechtsextremismus besser vernetzen
„Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche gegen Rechtsextremismus“ geplant
Dresden (idea) – Die evangelische Kirche möchte ihr Engagement gegen Rechtsextremismus
besser vernetzen. Aus diesem Grund soll am 12. Februar in Dresden eine
„Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ ins Leben
gerufen werden. 65 Jahre nach Kriegsende und 20 Jahre nach der deutschen
Wiedervereinigung sei die Demokratie im Alltag Deutschlands „in einem kritischen Zustand“,
heißt es in dem Gründungsaufruf. Innerhalb kirchlicher Strukturen und Werke fehle eine
Vernetzungs- und Kommunikationsplattform, die sich für eine Kultur gegen Rechtsextremismus
einsetze. Datum und Ort der Gründung hätten die Initiatoren der Bundesarbeitsgemeinschaft –
„Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“, „Kulturbüro Sachsen“ und „Miteinander“ aus Sachsen-
Anhalt – mit Absicht gewählt, heißt es in einer Pressemitteilung. Denn am 13. Februar 2010
planten Neonazis in Dresden den größten Aufmarsch von Rechtsextremisten Europas.

Christen zunehmend im Visier von Neonazis
Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören der sächsische Landesbischof Jochen Bohl
(Dresden), Pröpstin Gabriele Scherle (Frankfurt am Main) sowie der nordelbische
Synodalpräsident Hans-Peter Strenge (Hamburg) und der mitteldeutsche Oberkirchenrat
Christhardt Wagner (Eisenach). In Ost- wie auch in Westdeutschland sei ein kirchliches
Engagement gegen Rechtsextremismus und für Demokratie notwendig, da
„menschenverachtende, rassistische, antisemitische und demokratiefeindliche Einstellungen mit
dem christlichen Glauben unvereinbar sind“. Zunehmend gerieten kirch liche Jugendgruppen
und engagierte Pfarrer ins Visier von Neonazis, so der Geschäftsführer der „Aktion
Sühnezeichen Friedensdienste“, Christian Staffa.

Rechtsextremismus nicht mit Linksextremismus vergleichen
Scharfe Kritik übt er an der von der Bundesregierung angekündigten Umwandlung der
Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus in ein so genanntes „Extremismusprogramm“
gegen Rechts- und Linksextremismus sowie Islamismus. „Die Gleichsetzung dieser völlig
unterschiedlichen Phänomene verharmlost das Ausmaß rechtsextremer Organisationsdichte
sowie rassistischer und politisch rechts motivierter Gewalttaten in Deutschland“, so Staffa. Eine
Fortführung und ein Ausbau der erfolgreichen Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus
seien dringend notwendig.

Kirchliche Sammlung: Demokraten lehnen jeden Extremismus ab
Anders sieht das der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in
Bayern, Andreas Späth. Echte Demokraten lehnten alle Formen des Extremismus ab, die mit
Gewalt anderen ihre Meinung aufzwingen wollen. Dazu gehörten Rechtsextreme, Linksextreme,
Islamisten und auch Teile der aggressiv intoleranten Homosexuellenbewegung, die Kritik an
ihrem Lebensstil gesetzlich verbieten lassen möchten, so Späth. Bundesministerin Kristina
Köhler (CDU) sei mit ihren Plänen, gegen jede Form von Extremismus vorgehen zu wollen, „im
Prinzip auf dem richtigen Weg“. Viel zu lange habe der „Kampf gegen rechts“ einseitig „andere
Ausformungen des verdammungswürdigen Extremismus verharmlost“. Während jede Wahl
eines NPD-Abgeordneten zu Ausbrüchen in den Medien Anlass gebe, sei es fast schon
selbstverständlich, wenn die SED-Fortsetzungspartei sich in die demokratischen Parteien
einreihe. Rechtsextreme Gewalttaten seien zurückgegangen. Dafür brenne allein in Berlin im
Durchschnitt täglich ein von Linksradikalen angezündetes Auto aus. Die Kirche dürfe ihren
primären Auftrag, allen Menschen - also auch Extremisten aller Couleur - das Evangelium zu
predigen, nicht aus den Augen verlieren. Das sei die beste Prävention gegen Gewalt und
fördere Frieden, Freiheit und Wohlstand. (14.01.2010/14:54)


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