Evangelikale ANTISEMITEN???

Bündnis gegen Rechtsextremismus: Vieles ist noch unklar
Zum neuen kirchlichen Bündnis gegen Rechtsextremismus

von Ma t thi a s Pank au

(idea) Was es in Bundesländern bereits vielfach gibt – nämlich kirchliche Initiativen gegen
Rechtsextremismus – existiert nun auch auf Bundesebene. Am 12. Februar wurde in Dresden
die Bundesarbeitsgemeinschaft „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“
gegründet. Doch bevor das Bündnis seine Tätigkeit aufnehmen kann, gibt es noch
Klärungsbedarf über das Profil der Gruppe:

1. Was ist eigentlich das Ziel der Arbeitsgemeinschaft?
Der Name der Bundesarbeitsgemeinschaft – „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“
– beinhaltet ja eigentlich bereits das Programm. „Menschenverachtende, rassistische,
antisemitische und demokratiefeindliche Einstellungen“ seien mit dem christlichen Glauben
unvereinbar, wurde immer wieder betont. Wer wollte das bezweifeln? Das Grußwort des
sächsischen Landesbischofs Jochen Bohl legte den Finger aber auch in eine Wunde: So wenig
wie man den verqueren Ansichten der Neonazis zustimmen könne, sei auch „die abwegige Sicht
abzulehnen, der Stadt Dresden sei am 13. Februar 1945 recht geschehen und die Opfer hätten
ihr Schicksal verdient“. Wer da im Saal müde lächelte, brauchte nur hinauszutreten vor den Platz
an der Kreuzkirche. Dort hatten sich mehrere hundert Linksextreme zu einer Kundgebung
versammelt. Auf ihren Plakaten war u. a. zu lesen: „13. Februar? Selbst schuld!“ Da muss die
Frage gestattet sein: Hat nicht auch das etwas mit „menschenverachtenden Einstellungen“ zu tun,
von denen im Gründungsaufruf die Rede ist?

2. Und wer darf mitmachen?
Hier gingen die Meinungen weit auseinander. Eines der flammendsten Plädoyers hielt Rainer
Weitzel vom linksliberalen Gesprächskreis „Offene Kirche“ in der württembergischen Landeskirche.
Er sprach sich dagegen aus, kirchliche Werke und Organisationen in die
Bundesarbeitsgemeinschaft aufzunehmen. Der Grund: Sie hätten zu viel Macht. Als Beispiel führte
Weitzel die Kontroverse zwischen der Deutschen Evangelischen Allianz und den öffentlichrechtlichen
Sendern ARD und ZDF im vergangenen Jahr an. Wenn Redakteure sich für ihre
Sendungen schon rechtfertigen müssten, weil sich einzelne Organisationen oder Werke
angegriffen fühlten, sei es mit der Pressefreiheit nicht weit her, kritisierte er.

Sind auch Evangelikale Antisemiten?
Außerdem seien viele Evangelikale selbst Antisemiten, weil sie für die Judenmission einträten.
Besonders „schlimm“ sei die Situation in Württemberg und in Sachsen. Ganz anders sieht das die
frühere Präsidentin der sächsischen Landessynode, Gudrun Lindner (Weißbach/Erzgebirge), die
zu den Erstunterzeichnern des Gründungsaufrufs gehörte. Sie wolle sich dafür starkmachen, dass
sich auch Organisationen wie das Diakonische Werk oder die Deutsche Evangelische Allianz in die
Arbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft einbringen, erklärte sie gegenüber idea. Doch noch ist es
nicht zu spät. Denn bis das neue Bündnis seine Arbeit endgültig aufnehmen kann, müssen wie
gesagt noch einige Details geklärt werden. Und es sollte niemand daran gehindert werden, sich
dabei einzubringen. Denn das Ziel, gegen „menschenverachtende, rassistische, antisemitische
und demokratiefeindliche Einstellungen“ in Kirche und Gesellschaft vorzugehen, sollte Christen
einen und nicht trennen. (18.02.2010/13:27)


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