Für Frau Käßmann ist durch die Fahrt mit 1,5 pro Mille als Bischöfin und Ratsvorsitzende eine besonders schwere und belastende Situation eingetreten.
Mitgefühl ist eher angesagt als Häme und Richtgeist. Sie weiß um die Koordinaten der Verantwortung in ihrem Amt und wird für sich aus ihrem Gewissen über mögliche Konsequenzen entscheiden müssen.
Pastor Ulrich Rüß
Dilemma
Der Rat der EKD stellt sich hinter Frau Käßmann und spricht ihr das Vertrauen aus. Eine ehrenwerte Haltung. Sie ist eben auch nur ein Mensch und keine Heilige. Häme und Richtgeist verbieten sich. Hier gilt Vergebung.
Dennoch: Frau Käßmann ist nicht nur Privatperson, sie ist Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der EKD. Sie hat mit ihren Ämtern Vorbildfunktion. Sie repräsentiert die Kirche und verkörpert eine notwendige moralische Instanz unserer Gesellschaft. Als solche hat sie ja auch in der Vergangenheit häufiger schon deutlich auf Missstände hingewiesen. Diese Kriterien und Maßstäbe sind nun erschüttert, das ist das Dilemma. Keiner will und soll den Moralapostel spielen. Aber dennoch gilt: Ihre Glaubwürdigkeit und die Autorität des Amtes sind beschädigt, die Kirche im Ganzen hat Schaden genommen. Das weiß Frau Käßmann, und das weiß auch der Rat der EKD.