Sollen Christen unter Juden missionieren?

Sollen Christen unter Juden missionieren?
Befürworter und Gegner diskutieren bei Studientag der bayerischen Synode
Nürnberg (idea) – Wie steht die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern zur „Judenmission“?
Darüber diskutierten rund 70 Gegner und Befürworter bei einem Studientag der Landessynode
am 20. Februar in Nürnberg. Anlass war das von Landesbischof, Landessynode,
Landessynodalausschuss und Landeskirchenrat im Herbst 2008 verabschiedete „Straubinger
Wort“. Darin heißt es, dass „Aktivitäten, die das Ziel einer Konversion von Juden zum
Christentum verfolgen“, für die bayerische Kirche „undenkbar“ seien. Dagegen protestierten
rund 240 Pfarrer, Professoren und engagierte Laien mit einer Unterschriftenaktion. Unter
anderem fragen sie, ob Pfarrer jüdische Taufbewerber künftig abweisen sollten. Nach Ansicht
des Hauptinitiators des Protests, Pfarrer Martin Fromm (Rüdenhausen bei Schweinfurt), bezieht
sich der Missions- und Zeugnisauftrag Jesu Christi an seine Anhänger auf Heiden und Juden.
Die Kirche dürfe das Bekenntnis, dass in keinem anderen das Heil zu finden sei als allein in
Jesus Christus, niemandem verschweigen, sagte Fromm beim Studientag. Er fordere keinen
„landeskirchlichen Beauftragten für Judenmission“, sondern Offenheit in seelsorgerlichen und
diakonischen Angelegenheiten auch für Menschen jüdischer Herkunft. Dies bedeute auch, sich
der Vergangenheit zu stellen: „Wir müssen Rechenschaft ablegen vor der Welt für die
furchtbaren Verbrechen, die im Namen Christi begangen wurden – gerade an Menschen
jüdischen Glaubens. Wir müssen erkennbar Buße tun für falsche Wege in der Vergangenheit,
Menschen – gerade auch Menschen jüdischen Glaubens – der Kirche einverleibt zu haben,
gegen ihren Willen, mit Zwang, zum Teil mit Todesdrohungen.“

Die meisten Referenten lehnten Judenmission ab
Die Mehrheit der Referenten und der Organisator des Studientags, der theologische Berater
des bayerischen Vereins zur Förderung des christlich-jüdischen Gesprächs, Prof. Wolfgang
Kraus (Saarbrücken), lehnten hingegen Judenmission ab. Dabei berief sich der in Tübingen
lehrende Theologieprofessor für Neues Testament, Hermann Lichtenberger, auf den Apostel
Paulus. In dessen Römerbrief heiße es, dass Israel nicht vom Heil Gottes getrennt sei. Der
Glaube an Jesus Christus ersetze nicht den Bund Gottes mit seinem Volk. Der hessische
Pfarrer Robert Brandau (Kassel) ergänzte, dass im Neuen Testament nur von Juden berichtet
werde, die ihren Glauben an Jesus Christus gegenüber anderen Juden bezeugten. Diese
judenchristliche Judenmission, wie sie heute unter anderem von „messianischen Juden“
vertreten werde, müsse von einer Judenmission durch Heidenchristen unterschieden werden.

Kirche hat wichtigere Aufgaben
Als vorläufiges Fazit des Studientags stellte der Erlanger Theologe Prof. Wolfgang Schoberth
einen zweifachen Konsens fest. Niemand habe sich für eine organisierte Judenmission der
bayerischen Landeskirche ausgesprochen. Es habe aber auch niemand für ein Verschweigen
des eigenen Glaubens gegenüber Juden plädiert. Hinter dem Streit um die Judenmission stehe
unter anderem die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Bibel und dem Verständnis von
Heil. Unter missionarischen Gesichtspunkten sehe die Kirche weit vordringlichere Aufgaben,
etwa in ihren eigenen Gemeinden. Der Vorsitzende des synodalen Ausschusses für
Weltmission und Ökumene, Fritz Schroth (Bischofsheim/Rhön), kündigte einen weiteren
Studientag über das Verhältnis zu den messianischen Juden an. Die Diskussion um ein
angemessenes Zeugnis gegenüber Juden müsse weitergehen.
(22.02.2010/15:16)


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