Kritik an Darstellung Evangelikaler: Schulbuch

Autorin behauptet: Fundamentalisten sind weniger gebildet
Berlin/Bonn (idea) – Weil zwei Lehrer die einseitige Darstellung Evangelikaler in einem
geplanten Englischbuch kritisieren, will der Cornelsen-Verlag (Berlin) die umstrittene Passage
überarbeiten. In dem noch nicht erschienenen Band „Context 21“ werden evangelikale Christen
in den USA in ein negatives Licht gerückt. Im Kapitel „Fundamentalismus in Amerika“ behauptet
die Atheistin und Journalistin Susan Jacoby, dass „ein unbestreitbarer, starker Zusammenhang
zwischen religiösem Fundamentalismus und einer fehlenden Bildung“ bestehe. Kreationismus
habe „die öffentliche Bildung in vielen Regionen des Landes nachhaltig beeinflusst und ist ein
wichtiger Grund dafür, dass amerikanische Gymnasiasten weniger über die Wissenschaft
wissen, als Gleichaltrige in Europa und Asien“. Der Direktor des Internationalen Instituts für
Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn),
sagte auf idea-Anfrage, Jacoby reduziere hochkomplexe Zusammenhänge in einem stark
religiösen Land wie den USA auf einfache Stereotypen. So führe sie zum Beispiel
Kreationismus und Intelligent Design rein auf die Evangelikalen zurück. Laut Umfragen würden
aber in den USA nicht nur 70 Prozent der Evangelikalen, sondern auch 30 Prozent der
Katholiken die Evolutionstheorie ablehnen. „Das zeigt, dass die wirklichen Verläufe wesentlich
komplizierter sind, denn es gibt Zig-Millionen von Evangelikalen, die die theistische Evolution
vertreten, und Zig-Millionen von Nichtevangelikalen, die die Evolution ablehnen“, so
Schirrmacher. „Aber wenn man einer Gruppe die Schuld an allen Miseren geben will, ist für
solche Differenzierungen natürlich kein Platz.“ Die Aussage, dass amerikanische Gymnasiasten
wegen des verbreiteten Kreationismus weniger über Wissenschaft wissen als Gymnasiasten in
Europa und Asien, sei zudem „schlicht Unsinn“. Die Evangelikalen in den USA gehörten
überwiegend zur gebildeten Mittelschicht, nicht zur Unterschicht. Wer die USA kenne, wisse,
dass große religiös motivierte – auch evangelikale – Universitäten ganz vorne mitmischten.

Verlag räumt falsche Darstellung ein
Der Cornelsen-Verlag teilte auf idea-Anfrage mit, dass er derartige Hinweise sehr ernst nehme.
„Wie jeder andere Text des Buches spiegelt der angesprochene Text die Sichtweise seines
Verfassers, aber nicht notwendigerweise die Sicht der Redaktion wider“, hieß es. „Wir werden
aber Aufgabenstellungen so überarbeiten oder ergänzen, dass eine kritische
Auseinandersetzung mit dem Text stärker in den Fokus gerückt wird. Gleichzeitig müssen wir
einräumen, dass die Definition von ,Intelligent Design’ tatsächlich so verknappt ist, dass sie
falsch ist. Wir werden sie überarbeiten.“ Ob der geplante Erscheinungstermin im Mai zu halten
sein wird, sei unklar.

Kein Einzelfall
Es ist nicht das erste Mal, dass der Cornelsen-Verlag in die Kritik gerät. Ende vergangenen
Jahres hatte die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern sich kritisch zu einem
Deutschbuch geäußert, in der die „Sage vom Doktor Faust“ behandelt wird. Zu den
Aufgabenstellungen für die Fünftklässler gehörte unter anderem, eine Beschwörungsformel für
den Teufel zu verfassen und zu überlegen, welche Verlockungen heute einen Teufelspakt
rechtfertigen könnten. In einem anderen Englischbuch, das im vergangenen Jahr erschienen
ist, wurden Evangelikale diskreditiert. So hieß es in einem Text: „Wir können über diese
Menschen lachen, aber wir sollten sie nicht abweisen. Dass ihr Glaube schwachsinnig ist,
bedeutet nicht, dass sie eine Randerscheinung sind.“
(07.03.2010/11:27)


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