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Das Kreuz geht - der Teufel kommt |
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Das Kreuz geht - der Teufel kommt Zauberlehrlinge an bayerischen Gymnasien
Manchem mutet es bisweilen skurill an, wenn Eltern unter Heinweis auf Sexualkunde und okkulte Praktiken Kinder von staatlichen Schulen nehmen, sie auf Privatschulen schicken oder gleich selbst unterrichten. Die Anmutung des Skurillen verliert sich allerdings manchesmal recht schnell, wenn man das Material und die Hintergründe genauer betrachtet. Zum guten Ton des Unterrichts gehört längst das Ausmalen von Mandalas. Dass dies jedoch nicht einfach irgendwelche Ausmalbilder sind, sondern hinduistisch/buddhistische Kultgegenstände, wissen die Wenigsten. An Grundschulen weit verbreitet ist der „Zauberlehrling". Damit ist freilich nicht Goethes Gedicht gemeint, sondern ein Lehrwerk aus dem Diesterweg-Verlag, über den übrigens auch viele Lehrbücher für den Religionsunterricht vertrieben werden, in dem allerlei magisches Personal die Kinder auf ihrem Lernweg durch die Welt der deutschen Sprache und der Mathematik begleiten. Hexe, Zauberer usw. das ist nun positiv besetzt. Die dunklen Mächte kommen heraus aus ihrer dunklen Märchenecke in der sie stets das Böse, Angstmachende verkörperten, von dem man besser Abstand hält. So vorbereitet kommt der Grundschüler ans Gymnasium. Weit weniger subtil ist hier das „Deutschbuch 5" (Ausgabe Bayern) aus dem Cornelsen Verlag. Dort wird „der Kampf zwischen Gut und Böse" (S. 224) auf recht eigenwillige Weise thematisiert. Zur Sage vom Doktor Faust finden die Kinder der fünften Klasse ein paar recht seltsame Arbeitsaufträge vor, denen sich ein Fünftklässler - zumal nach lehrerlicher Anordnung - kaum entziehen kann. Zwei Arbeitsaufträge findet das lerneifrige Kind - völlig unkritisch und unkommentiert - vor: „1. Gleich zu Beginn der ´Sage vom Doktor Faust´ wird erwähnt, dass dieser den Teufel mit einer Zauberformel beschworen hat. a) Verfasst zusammen mit eurem Nachbarn / eurer Nachbarin eine kurze Beschwörungsformel. b) Lest den Text unter Einschluss eurer Zauberformel noch einmal vor und prämiert die besten Lösungen. 2. Im vorausgegangenen Kapitel habt ihr mit dem Jugendbuch ´Krabat´ bereits eine Geschichte kennen gelernt, in der es um einen Pakt mit dem Teufel geht. a) Welche Vorteile haben der Meister und seine Mühlknappen vom Bündnis mit dem Teufel, was bietet Mephistopheles dem Faust? b) Gibt es eurer Meinung nach auch heute Versuchungen und Verlockungen, die einen Teufelspakt rechtfertigen würden? c) Diskutiert diese Fragen auch im Religions- und Ethikunterricht."
Derart kritikloser Umgang mit dem Teufel ist schon erschreckend. Allerorten wird vor Okkultismus gewarnt, auf „dunkle Jugendkulturen" hingewiesen und über die psychischen Gefahren von Teufelsbeschwörungen geredet, vom geistlichen Schaden gar nicht zu sprechen (letzteres wäre ja auch unmodern). Und dann werden Kinder mit der suggestiven Formel:"Gibt es eurer Meinung nach auch heute Versuchungen und Verlockungen, die einen Teufelspakt rechtfertigen würden?" beeinflusst, in dem insinuiert wird, damals sei Teufelsbeschwörung natürlich o.k. gewesen, womit die Diskussion schon auf ein bestimmtes Ziel hingelenkt wird. Die Aufforderung, eine Teufelsbeschwörung zu verfassen kann man getrost unkommentiert lassen. Die Ungeheuerlichkeit erschließt sich von selbst. Man kann Eltern nur immer wieder raten, das Schulmnaterial der Kinder anzusehen, das Gespräch mit Lehrern und Schulleitung zu suchen und diese aufforden derartige Aufgaben nicht machen zu lassen bzw. das Ministerium und den Verlag über die Ablehnung derartiger Praktiken zu informieren, bzw. den Verlag zu bitten die Seite in einer Neuauflage zu ändern.
An dieser Stelle lohnt es sich, den Art. 131 der Bayerischen Verfassung,Artikel eins und zwei zu zitieren: „Artikel 131 [Ziele der Bildung]
(1) Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. (2) Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewußtsein für Natur und Umwelt."
Anschriften: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus 80327 München Tel: 089/2186-0 (Vermittlung) Fax: 089/2186-2800
Cornelsen Verlag GmbH Mecklenburgische Straße 53 14197 Berlin Telefon: (030) 897 85-0 Telefax: (030) 897 85-499
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