Bischof-Meiser-Straße in Nürnberg wird umbenannt

Politiker ziehen Konsequenzen aus seinen antisemitischen Äußerungen

N ü r n b e r g (idea) – Die Bischof-Meiser-Straße in Nürnberg heißt künftig Spitalgasse. Mit großer Mehrheit hat der Nürnberger Stadtrat am 24. Januar diese Umbenennung beschlossen, nachdem der frühere Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Hans Meiser (1881-1956), wegen antisemitischer Äußerungen aus dem Jahr 1926 in die Kritik geraten war. Für die Änderung des Straßennamens stimmte auch die CSU-Fraktion, die dem Vorhaben zunächst skeptisch gegenüber gestanden hatte. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sieht in der Lebensleistung Meisers einen „extremen Widerspruch“. Einerseits habe der Bischof dem Versuch der Nationalsozialisten widerstanden, die evangelische Landeskirche gleichzuschalten. Andererseits gebe es von ihm aus dem Jahr 1926 und wiederholt nach 1933 „rassistisch-judenfeindliche Stellungnahmen“. Am Vortag hatte auch der Nürnberger Dekanatsausschuss für eine Umbenennung votiert. Vor einem halben Jahr noch hatte dasselbe Gremium eine Änderung abgelehnt.

Antisemit oder Judenfreund?

Der Fall Meiser sorgt seit dem vergangenen Jahr in Bayern für Wirbel. Bischof Johannes Friedrich (München) – früher selbst Dekan in Nürnberg – wollte zum 50. Todestag seines Vorgängers einen Gedenkgottesdienst feiern. Nach massivem Protest der Israelitischen Kultusgemeinde sagte er die Veranstaltung ab. Zur Entscheidung des Stadtrats schreibt Friedrich nun in einer Pressemitteilung, die Umbenennung einer Straße sei „nicht Sache der Kirche – also habe ich solch einen Beschluss auch weder zu kritisieren noch zu würdigen“. Die Kirche müsse sich aber weiterhin mit der Person Hans Meiser auseinandersetzen, bei dem sich einerseits eine „schreckliche antijüdische Haltung“ finde, der aber andererseits einen „Beitrag zur Rettung vieler Menschen im Dritten Reich“ geleistet habe. Historiker hatten im Streit um Meiser darauf hingewiesen, dass dieser sich auch für die Juden eingesetzt hatte. Weil Meiser sie öffentlich in Schutz nahm, wurde er von Julius Streicher (1885-1946), dem Herausgeber des antisemitischen „Stürmer“, als „Judenfreund“ gescholten.

Was wird aus anderen Meiser-Straßen?

Die evangelische Augustana-Hochschule in Neuendettelsau bei Nürnberg hatte im Sommer beschlossen, künftig ihr Hauptgebäude nicht mehr Meiser-Haus zu nennen. Meisers judenfeindliche Aussagen ließen es nicht mehr zu, eine Wohn- und Studienstätte künftiger evangelischer Theologen nach ihm zu benennen, hieß es. Gegen diesen Beschluss hatte die theologisch konservative Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB) protestiert. Meiser habe sich im Gegensatz zu vielen liberalen Theologen seiner Zeit dem absoluten Machtanspruch der nationalsozialistischen Diktatur widersetzt. Meiser-Straßen gibt es auch in anderen bayerischen Städten – etwa in München, wo sich das Landeskirchenamt in der Meiser-Straße befindet.


Seltsame Stille 27. Januar 2007
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