Dorothee-Sölle-Haus: Namensfeier ohne Namensschild

Unbekannte lassen vor dem Festakt zur Umbenennung Tafel verschwinden

N e u e n d e t t e l s a u (idea) – War es ein Streich – oder Zivilcourage? Beim Festakt zur Umbenennung der ehemaligen „Wache“ der evangelischen Augustana-Hochschule (Neuendettelsau bei Nürnberg) in ein Dorothee-Sölle-Haus sollte eine Namenstafel enthüllt werden. Doch als der verhüllende Stoff fiel, kam dahinter nichts zum Vorschein. Das meldet das Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern (Rothenburg ob der Tauber). Die festgeschraubte Tafel war offenbar kurz vor dem Festakt von Unbekannten entfernt worden. Die Namensgebung hatte im Vorfeld scharfe Kritik von theologisch konservativer Seite hervorgerufen. So ließ die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB) verlauten: „Eine kirchliche Hochschule, die das lutherische Augsburger Bekenntnis im Namen führt und gleichzeitig eines ihrer Gebäude nach Dorothee Sölle benennt, läuft Gefahr, als Mogelpackung empfunden zu werden.“

„Atheistischer Glaube“
Dorothee Sölle (1929-2003) ist eine der umstrittensten evangelischen Religionspädagoginnen des 20. Jahrhunderts. Sie hatte von einem „atheistischen Glauben“ gesprochen sowie die Gottessohnschaft Jesu Christi und seine Auferstehung von den Toten bestritten. Der KSBB-Vorsitzende Andreas Späth (Sachsen bei Ansbach) hatte zum Boykott der Feier der Namensgebung aufgerufen. Zur fehlenden Tafel bei der Enthüllung sagte Späth gegenüber idea: „Diebstahl ist zwar grundsätzlich keine christliche Lebensäußerung. Die Aktion von Neuendettelsau hat dennoch einen gewissen Charme, weil Frau Sölle selbst ja immer wieder Zivilcourage und entsprechendes Handeln einforderte.“ Die Neuendettelsauer Professorin für Feministische Theologie, Renate Jost, kündigte gegenüber der Fränkischen Landeszeitung an, daß das verschwundene Namensschild bald ersetzt werde. Ein Dorothee-Sölle-Haus gibt es bereits in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Hamburg sowie im diakonischen Johanneswerk in Bielefeld.


Prof. Rohrmoser heimgegangen
LaBi für Beck