Zurück in die alte Heimat
Von Gerald H. Mann
Normalerweise wandern Arbeitskräfte in Europa derzeit häufig von Ost nach West. Aber es gibt Ausnahmen.
Zu diesen gehört Johann Zey (32). Aufgewachsen ist er im Dorf Urwegen in Siebenbürgen. 1989 befreite die Revolution Rumänien von der kommunistischen Diktatur Ceausescus. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs war der Weg nach Westen frei geworden.

100.000 zogen nach Westen
So verließ binnen weniger Monate die Hälfte der damals noch 200.000
Siebenbürger Sachsen ihre Heimat in Richtung Deutschland. Die rund 800-
jährige Geschichte dieser teilweise grausam verfolgten deutschen Volksgruppe schien endgültig zu Ende. Mit diesem Exodus kam Zey als Schüler nach München. Dort absolvierte er eine Optikerlehre und arbeitete danach mit Hingabe in seinem Beruf. Doch Zey verspürte einen Ruf Gottes
in den Pfarrdienst. So holte er neben der Arbeit an der Abendschule das
Abitur nach und nahm das Studium der Theologie an der Universität
München auf. Auch den Kontakt zur alten Heimat ließ er nicht abreißen. Er
wechselte sogar an die Evangelisch-Theologische Fakultät Hermannstadt
(der „Hauptstadt“ Siebenbürgens mit einem Deutschen als Bürgermeister, der dort sehr erfolgreich wirkt). Die stärkere Bibelorientierung an dieser
Ausbildungsstätte entsprach eher seiner lutherisch-pietistischen Prägung.

Gott beruft einen Optiker
Gleichzeitig reifte in ihm die Überzeugung, statt in Deutschland in Rumänien
ins Pfarramt zu gehen. So wurde er unter reger ökumenischer Beteiligung
im April 2006 in der evangelischen Stadtpfarrkirche des nordsieben- bürgischen Bistritz ordiniert. Darüber berichtete sogar die deutschsprachige
Sendung des rumänischen Fernsehens. Dabei bekannte der junge Gemeindehirte, daß er Gott dankbar sei, in seiner alten Heimat geistlichen Dienst tun zu können. Mit seinem Amtsbruder, Stadtpfarrer
Johann-Dieter Krauss, setzt er sich dafür ein, daß seine Kirche einen
bibeltreuen Weg geht.

In den Himmel …
Seinen Auftrag beschreibt Zey so: „Ich will den mir anvertrauten Menschen
dazu helfen, daß sie in den Himmel kommen.“ Seine 250 Mitglieder leben verteilt über Dutzende Gemeinden im Umland von Bistritz und im 200 km entfernten Buchenland (Bukowina), dessen deutsche Volksgruppe Hitler 1940 nach Westen umsiedeln ließ. Mag die Situation wegen Armut, leerer und verfallender Kirchen auch trist erscheinen, Pfarrer Zey setzt seine
Hoffung darauf, daß die Evangelische Kirche in Siebenbürgen wieder wächst. Derzeit dürfte mit rund 15.000 Mitgliedern der Tiefpunkt erreicht sein.

Deutsche gehen zurück
Zuwachs verspricht man sich auch durch aus Deutschland zurückkehrende
Siebenbürger. Zu dieser Rückkehr trägt auch bei, daß der anstehende
EU-Beitritt Rumäniens die Regierung in Bukarest zur Rückgabe
enteigneter Immobilien zwingt. Durch deutschsprachige Schulen und Klassen entstehen Kontakte zu jungen Rumänen, die sich später
konfirmieren lassen. Die Jugendstunde wird schon zweisprachig von
Ehefrau Martina (22) gehalten. Die Noch-Studentin der Theologie und
Grundschulpädagogik sieht ihre Berufung als Pfarrfrau darin, gerade
jungen „ Menschen den Weg zu Jesus zu zeigen“ Dabei freut sich das
Ehepaar auf Besuche und Unterstützung von Christen aus Deutschland.
So will die Christliche Bildungsstiftung München den geplanten Kindergarten fördern.

Dieser Artikel wurde eingestellt mit freundlicher Genehmigung von idea - dem evangelischen Nachrichtenmagazin

www.idea.de




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