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Fronleichnamstag als glaubensstärkender Verinnerli |
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Eingabe der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB) an die Synode der Ev.-Luth. Kirche in Bayern zur Herbsttagung 2006:
Fronleichnamstag als glaubensstärkender Verinnerlichungstag. Die Synode möge als Empfehlung an die Gemeinden unserer Landeskirche beschließen, ab 2007 den Fronleichnamstag als “Glaubensstärkenden Verinnerlichungstag auf reformatorischer Basis mit dem Schwerpunkt ´Lutherischer Abendmahlslehre´” zu begehen. Dies wird verbunden mit der Bitte das heilige Abendmahl in den Gemeinden regelmäßig - mindestens einmal pro Woche - zu feiern.
Begründung und Darlegung: Leider stellt sich in vielen Gesprächen immer wieder ein massives Defizit hinsichtlich des Bewußtseins für die grundlegende Bedeutung von Leib und Blut Christi (und damit indirekt auch des Hl. Abendmahles) für den christlichen Glauben heraus. Die röm.-katholische Kirche feiert die Bedeutung von Leib und Blut Christi in jeder Eucharistiefeier und besonders an “Fronleichnam”. Was ist Fronleichnam? “Am Fronleichnamsfest feiern die röm.-katholischen Christen die Einsetzung der Eucharistie und bezeugen ihren Glauben an die bleibende Gegenwart Jesu Christi in diesem Sakrament unter den Gestalten von Brot und Wein. Das Wort ‚Fronleichnam‘ stammt aus dem Mittelhochdeutschen: "fron" heißt "Herr" und "lichnam" bezeichnet den lebendigen Leib. Bereits seit dem 13. Jahrhundert gibt es Fronleichnamsprozessionen, bei denen das geweihte Brot, die konsekrierte Hostie, in einem Schaugefäß, der Monstranz, mitgeführt wurde. Bischof Robert von Lüttich führte aufgrund der Visionen der heiligen Juliane von Lüttich († 5.4.1258), einer Augustinernonne und Mystikerin, das Fest 1246 in seiner Diözese ein. Papst Urban IV. legte 1264 fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu begehen. Papst Johannes XXII. sorgte 1317 dafür, daß das Fest in der ganzen abendländischen Kirche gefeiert wird. Die erste Fronleichnamsprozession wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Köln durchgeführt. Fronleichnamsprozessionen gibt es auch zu Wasser, wie zum Beispiel im Kanton Luzern und in Köln-Mülheim. Fronleichnam wird auch als Fest der Verehrung des Altarsakraments bezeichnet und trägt den offiziellen liturgischen Namen ‚Hochfest des Leibes und Blutes Christi‘. In der Eucharistiefeier und der nachfolgenden Prozession bekennt die Gemeinde öffentlich ihren Glauben an die bleibende Nähe Gottes in Jesus Christus.” (Quelle: Deutsche Kath. Bischofskonferenz: http://dbk.de/stichwoerter/fs_stichwoerter.html)
Beachtenswert ist, daß die Anglikanische Kirche, mit der wir als Lutheraner in Abendmahls- gemeinschaft stehen, dieses Fest beibehalten hat (unter Ablehnung verschiedener römischer Bräuche. So heißt es in den Thirty-nine Articles of Religion: “Das Sakrament des Abendmahls wurde nach der Einsetzung Christi nicht aufbewahrt, herumgetragen, in die Höhe gehoben und auch nicht angebetet.”): “Feast of the Body and Blood of Christ (Corpus Christi)” oder auch “the Day of Thanksgiving for the Holy Communion” genannt (Quelle: Kirche von England: http://www.cofe.anglican.org/commonworship/rules/rulesyear.html). Es wird zeitgleich mit dem Fronleichnamstag am Donnerstag nach dem “Trinity Sunday” (Sonntag Trinitatis) begangen. Der Anglikanischen Kirche geht es dabei um beide Komponenten, einmal die Bedeutung von Leib und Blut Christi herauszustreichen und zum andern für die Einsetzung des Hl. Abendmahles zu danken. Stärkung unseres Glaubensbewußtseins In etlichen Bundesländern, so auch in Bayern, ist Fronleichnam gesetzlicher Feiertag. Wir als Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB) regen an, daß evangelische Kirchengemeinden sich ab 2007 an diesem Tag in geeigneter Form mit der grundlegenden Bedeutung von Leib und Blut Christi (Realpräsenz) sowie des Hl. Abendmahles allgemein beschäftigen. Dabei darf es keinesfalls um eine zum reformatorischen Verständnis im Widerspruch stehende Übernahme römisch-katholischer Dogmen und Bräuche gehen; Martin Luther und andere Reformatoren haben aus guten Gründen das Fronleichnamsfest und die Art seiner Begehung mit der dahinterstehenden Dogmatik abgelehnt. Deshalb ist z.B. eine Teilnahme an den Fronleichnamsprozessionen – gar von evangelischen Amtsträgern – überhaupt nicht im Sinne unserer Anregung und wird von uns abgelehnt – dabei erinnern wir nicht zuletzt an den unseligen Kniebeugestreit, bei dem evangelische Soldaten im Königreich Bayern sich gegen den erzwungenen Kniefall bei der Fronleichnamsprozession wehrten. Als evangelische Christen sollten wir jedoch heute – bei wachem historisch-theologischen Bewußtsein – diesen arbeitsfreien Tag proaktiv nutzen, um angesichts der gegenwärtigen geistigen Dürre mit frischem Wasser der lebendigen Glaubenshoffnung die wichtige Thematik dieses ‚Hochfestes des Leibes und Blutes Christi‘ aufzugreifen und dadurch nach innen glaubensstärkend und nach außen volksmissionarisch zu wirken. Dies kann z.B. durch entsprechende theologische Fachvorträge auf Gemeinde- oder Dekanatsebene (Themenvorschläge: z.B. “Blut und Leib Christi in der reformatorischen Theologie / im evangelischen Liedgut”) geschehen. Besonders Gottesdienste, die sich der Thematik annehmen, wären nötig. Es sollte dabei nach innen und nach außen deutlich werden, daß auch für uns “Lutheraner” Leib und Blut Christi eine essentielle Bedeutung haben. Dadurch würde auch Gemeinsamkeit über Konfessionsgrenzen hinweg demonstriert, ohne daß theologische Gegensätze künstlich verschleiert oder geleugnet werden müßten.
München, den 3. Oktober 2006
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