Hans Apel erhält Künneth-Preis - März 2004

Bundesminister a.D. Prof. Dr. Hans Apel wurde am 20.3.2003 der Walter-Künneth-Preis in der Münchner Paul-Gerhardt-Kirche feierlich verliehen. Hans Apel erhielt ihn insbesondere für sein mittlerweile zum christlichen Bestseller gewordenen Buch „Volkskirche ohne Volk“, das binnen eines Jahres bald in vierter (!) Auflage erscheinen wird.

Bedeutungslosigkeit der EKD selbst verschuldet
Oberkirchenrat a.D. Prof. Dr. Jörg Müller-Volbehr hob in seiner Laudatio deswegen auch die geistlichen Gemeinsamkeiten zwischen Künneth und Apel hervor. Denn der Preisträger habe in „Volkskirche ohne Volk“ die vom Namensgeber prognostizierte „Selbstentaktualisierung“ der evangelischen Landeskirchen schonungslos offen analysiert. Den Fall der EKD „in die Bedeutungslosigkeit“ hatte Künneth vorhergesehen und Apel hat ihn nun umfassend und gerade auch für Nichttheologen verständlich beschrieben. Bedingt durch eine „Theologie“ ohne lebendigen Glauben an Christus hätten sich theologische Fakultäten zu „Stätten der Irrlehre“ entwickelt. Die dort ausgebildete Pfarrerschaft rede zu viel vom Menschen und zu wenig von Gott und verschweige dabei die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen.
Man könne - so der Laudator - nur den Kopf den schütteln, wenn die Hamburger „Bischöfin“ Maria Jepsen sage, es interessiere sie nicht, ob das Grab Jesu leer gewesen sei oder nicht! Zentrale Glaubensinhalte fehlten also in Verkündigung und öffentlicher Wahrnehmung. Verantwortliche handelten immer mehr nach dem Motto: Bei uns ist alles möglich und kann kirchlich abgesegnet werden, seien es Homo-„Ehen“ oder Scheidungen. Die „Volkskirche“ ist somit nur noch der Abklatsch unserer zerfaserten, profillosen Spaßgesellschaft. Sie will kein positiver Gegenentwurf dazu sein. Daß eine solche Kirche „Karteileichen“ und Kirchenaustritte geradezu produziere, verwundere nicht.

Schluß mit Zeitgeist
Hans Apel sei für sein Engagement zu einer Bewußtmachung des geistlichen Krebsschadens an der Kirche zu danken, unerläßliche Voraussetzung zu Buße und Umkehr. Den Preis überreichte der Sohn des Namensgebers und langjährige 1. Vorsitzende der KSBB, Spiritual Pfr. Dr. Friedrich-Wilhelm Künneth. Auch er dankte dem Preisträger und seiner Gattin Ingrid für ihr gemeinsames (!) unermütliches Engagement für den christlichen Glauben.
In seiner Erwiderung wies Hans Apel daraufhin, daß er in guter hanseatischer Tradition eigentlich keine Orden oder Preise annehme. So habe er als Bundesminister einen Orden vom damaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d´Estaing abgelehnt. Beim Walter-Künneth-Preis mache er eine Ausnahme, weil dadurch das gemeinsame Anliegen zu einer Erneuerung der Kirche gefördert werde. Martin Luther habe festgehalten, daß die wahre Einheit der Kirche dadurch verbürgt werde, daß Christus ihr Haupt sei und als solches von allen Gläubigen anerkannt werde, nicht dadurch, daß alle unter dem Papst vereint seien. In der EKD habe man Jesus Christus jedoch weitgehend aus dem Auge verloren.

Schluß mit Etikettenschwindel
Den negativen Entwicklungen in der Gesellschaft (kaputte Familien, Materialismus, Verwahrlosung etc.) und dem Islam habe die Kirche nichts mehr entgegenzusetzen, weil sie ihr Profil nicht biblisch, sondern nach vermeintlicher „Marktgängigkeit“ ausrichte. Daraus entstehe ein religiös verbrämter Bauchladen: religiöser Synkretismus, feministische Theologie, „Homo-Segnung“ etc.. „Wenn sich solche Kirchen evangelisch-lutherisch nennen, ist das längst ein unübersehbarer Etikettenschwindel.“ Zumal große Teile der Pfarrerschaft „die theologischen Grundlagen ihrer Ordination als historischen Schnickschnack betrachten“ und auch keine Vorbilder christlicher Lebensführung sein wollten.
„Frommsein“ ist ein Schimpfwort geworden, Sünde wird nicht mehr beim Namen genannt. Apel: „Homosexualität und die kirchliche Segnung ihrer Partnerschaft bauen und erhalten keine Gesellschaft. Im Gegenteil. Die Anthropologen sagen uns, daß schwere Fehler im Sexualkodex und in den Sexualgebräuchen eine wichtige Rolle beim Untergang vieler Kulturen gespielt haben.“ Schweigen die Kirchen hier, so werden sie zu „Totengräbern unserer Gesellschaft“. Gerade in der pluralen, auseinander driftenden Gesellschaft bedarf es Kirche mit klarer Botschaft, um so den Menschen dienen zu können. Nur die Kirchensteuer halte die Institution noch zusammen, eine geistliche Gemeinschaft im biblischen Sinne sei die Kirche wegen der herrschenden bibelkritischen Verkündigung nicht mehr. Dennoch sei es Aufgabe der Gläubigen, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern „christliche Leuchtfeuer in dieser dunklen Zeit als Wegweiser für die Menschen aufzurichten“.
Weitere Veranstaltungen (je ein Bild von Augsburg und Löwenbräukeller)
Der Anlaß der Preisverleihung wurde von der KSBB verbunden mit anderen Terminen. Am 19.3. abends hielt Hans Apel im Augustanasaal in Augsburg einen Vortrag zu „Hat christlicher Glaube Zukunft? Zum Wertewandel in Kirche und Gesellschaft.“ Anschließend fand eine Podiumsdiskussion mit ihm, Dekanin Susanne Kasch, dem Journalisten Konrad Badenheuer und Pfr. Dr. Wolfhart Schlichting statt. Badenheuer wies v.a. allem auf den enormen Verlust von einem Drittel der EKD-Mitglieder in den letzten Jahrzehnten hin, den er in den geistlichen Fehlentwicklungen der modernen Theologie begründet sieht. Schlichting untermauerte die Richtigkeit von Apels Analyse, während Frau Kasch darin ihre Kirche so nicht wiederzufinden vermochte.
Warum Europa das Christentum braucht?
Unter diesem Motto fanden am 20.3. Kurzvorträge und anschließende Podiumsdiskussion im Münchner Löwenbräukeller statt mit Hans Apel, dem Vizepräsidenten des Europaparlaments Dr. Ingo Friedrich, Pfr. Dr. Richard Kocher (kath. Radio Horeb) und Lidvine Gräfin Preysing von Christdemokraten für das Leben (CDL). Diskussionsleitung hatte der Verleger Dr. Ingo Resch. Einigkeit bestand darin, daß bei abnehmender christlicher Wertbindung die soziale Lebensqualität in Europa drastisch sinken werde. Zudem werde der Islam durch Zuwanderung und gesellschaftliche Einflußnahme das selbstverschuldete geistliche Vakuum nutzen. An der Veranstaltung nahmen Geistliche verschiedener Kirchen teil, darunter auch der griechisch-orthodoxe Bischofsvikar Apostolos Malamoussis. Auch Otto von Habsburg grüßte die Teilnehmer im vollen Bennosaal.


Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.



Laudatio auf Hans Apel