Grußwort Bischof Oskar Sakrausky Mittwoch, 13. April 2005 Sehr geehrter Bischof Sakrausky
Es ist mir eine große Ehre, ein Grußwort für Sie sprechen zu dürfen. Ich war noch jung, als Sie schon Bischof waren, und vermutlich hätte ich es damals kaum gewagt, Sie anzusprechen. Wie Sie natürlich wissen, wird gerade jetzt wieder in Sbg. um das Thema Fristenlösung gerungen. So alt bin ich schon, dass ich die Einführung der Fristenlösung miterlebt habe und das große Volksbegehren. Damals waren Sie, das weiß ich genau, dabei – mit in den Reihen all derer, die dagegen kämpften, Schulter an Schulter mit Kardinal König. Sie haben völlig zu Recht sogar einen Vergleich zwischen diesem Gesetz und den Nürnberger Gesetzen angestellt – heute politisch „unkorrekt“, aber das war der Vergleich auch damals schon: Wegen seines offenen Briefes hat Bundeskanzler Bruno Kreisky Bischof Sakrausky gesellschaftlich ausgegrenzt. Ich freue mich, einem so tapferen Mann begegnen zu dürfen, und denke mit Wehmut an so manche heutige evangelische und auch katholische Amtsträger und das, was sie „dazu“ sagen und „darüber“ nicht einmal wissen.
Ich habe im Internet nach Informationen zu Oskar Sakrausky gesucht. Gestoßen bin ich auf Stellungnahmen von Bischof Sakrausky, die seinem Engagement gegen die Fristenlösung entsprechen:
- Zusammen mit + Weihbischof Florian Kuntner gehörte Bischof Oskar Sakrausky zu den Gründungsmitgliedern von CSI: Auch hier geht es ja um Menschenrechte. Bischof Sakrausky hat selbstverständlich am Schweigemarsch für verfolgte Christen teilgenommen.
- Interessant zu lesen ist auch Ihr Grußwort an die „Schwedische Israelmission“: Auch da geht es um Menschen, denen geholfen werden musste, vor allem in der NS-Zeit, und aus Ihren Worten spürt man Ihre verständige Solidarität mit den Juden: Für Sie war es klar, dass Juden und Christen nicht zwei verschiedene Religionen sind, sondern dass sie „untrennbar miteinander verbunden sind, denn ihnen gilt die lebendige Verheißung Gottes“ – eine Sicht, von der ich immer noch nicht sicher bin, ob sie schon christliches Allgemeingut, christliche Selbstverständlichkeit geworden ist. Auch dass man Juden Christus predigen sollte, stand für Sie außer Diskussion - im Unterschied zu jenen, die nicht sehen, dass die Konversion eines Juden zum Christentum nicht Erleugnen des Jüdischen ist, sondern dessen Vollendung.
- Ich finde den Namen O. Sakrausky auch in der „Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis“ und dann als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates von Diakrisis, des Institutes eben dieser „Kirchlichen Sammlung“. Ich sehe die Titeln der möglichen Downloads und begreife: In diesem Institut herrscht ein guter Geist, da haben sich evangelische Christen zusammengeschlossen, mit denen Ökumene einen Sinn hat, Christen, die zum Beispiel bezüglich Ehe, Familie und Lebensschutz mit den Katholiken schon „uniert“ sind und darum auch mit Dankbarkeit auf Johannes Paul II. schauen.
Ich möchte zum Abschluss meinen Ordenspatron zitieren, Franz von Sales. Dieser wirkte als katholischer Bischof in Annecy und zwar in der Zeit nach der Reformation. Katholisch gesehen war er Bischof von Genf, aber Genf war kalvinisch und so konnte Franz von Sales seine Bischofsstadt nicht betreten oder wenn, dann nur unter Todesgefahr: Eines seiner Prinzipien lautete: „Wer die Wahrheit mit Liebe predigt, sagt genug gegen Irrlehren.“ Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf den Satz: „die Wahrheit in Liebe predigen“ lenken. Denn ich bin fest überzeugt: Wahre Ökumene gelingt nur in einer Atmosphäre einer doppelten Liebe
der Liebe zum Anderen, aber auch, und das ist genauso wichtig, der Liebe zur Wahrheit, der heiligen Leidenschaft für die Wahrheit Christi. Wir dürfen uns keineswegs mit „versöhnter Verschiedenheit“ zufrieden geben. Dass wir im jeweils anderen nicht mehr den „Feind“ sehen und so gesehen „versöhnt“ sind, ist ein Fortschritt. Aber die Rede von der bleibenden Verschiedenheit ist nur ein anderes Wort für Resignation, für Abfinden mit der Spaltung. Das Wort Christi erlaubt uns diesen Weg nicht, sondern verpflichtet uns auf mehr, es verpflichtet uns, nach der Einheit zu streben. Wird es diese Einheit jemals geben? Wenn wir uns gegenseitig lieben und zugleich in heiliger Selbstlosigkeit die Wahrheit – nicht „unsere Wahrheit“, sondern die Wahrheit „von oben“ - werden wir die Einheit wiederfinden: nicht dann, wenn wir es wollen oder als Ergebnis einer Tagung, sondern als Geschenk zu der Stunde, die der Vater festgesetzt hat.
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