Laudatio für Bischof Sakrausky anläßlich der Verleihung des Walter-Künneth-Preises am 17. April 2005 in Neuendettelsau
A) Mit ungefähr zehn Jahren lernte ich um 1950, den Landesbischof als „Hochwürdigsten Herrn Bischof“ anzusprechen. Das habe ich mir abgewöhnt. Nur in ganz seltenen Fällen, etwa gegenüber dem jungen Erzbischof von Lettland oder dem 91-jährigen Alt-Bischof von Österreich, komme ich darauf zurück. Das ist dann soetwas wie eine ganz persönliche Preis-Verleihung: „Hochwürdigster Herr Bischof!“ Aber mir ist bewußt, daß das ohne Bedeutung ist; wer fragt schon nach meiner Bewertung? Und ob der Walter-Künneth-Preis der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern viel mehr als ein Trostpreis ist für solche, die sonst nicht Beifall finden, kann man fragen. Der einzige Preis, der wirklich zählt, ist der im 1. Korintherbrief, Kapitel 9, erwähnte „Siegespreis“. Paulus forderte die Korinther Christen auf: „Lauft so, daß ihr ihn erlangt!“ (V. 24). Von diesem „unvergänglichen“ Siegerkranz sagte der Apostel, auf ihn ‚sei er wirklich aus‘: „Ich laufe aber so, nicht als aufs Ungewisse“ (V. 26). Trotz der ‚Gewißheit‘ ist mit der eigentlichen Laudatio noch zu warten, „bis der Herr kommt, welcher wird ans Licht bringen, auch was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Alsdann wird einem jeglichen von Gott sein Lob widerfahren“ (1. Kor. 4,5).B) Die heutige Laudatio kann nur aufgreifen, was vor Augen ist, - noch weniger: ich kann nur ansprechen, was in meinem sehr begrenzten Blickwinkel aufgefallen ist. Ihnen, „hochwürdigster Herr Bischof“, wird das, wie dem Apostel Paulus, „ein Geringes“ sein (V. 3). Die Kirchliche Sammlung, heißt es, „ehrt“ mit dieser Preisverleihung Ihr „Lebenswerk, insbesondere“ Ihren „Einsatz für den Schutz ungeborener Kinder“. Sie würdige „auch“ Ihr „Wirken“ für „eine ‚gesamteuropäische Bekenntnisökumene‘“ (idea 25/2005). Ihr Lebenswerk umfaßt mehr als dies.I. Aber zunächst ein kurzer, tabellarischer Überblick über Ihren Lebenslauf: In Linz an der Donau wurden Sie als Pfarrerssohn am 24. März 1914 geboren. In Feldkirch/Vorarlberg und später in Prag, wo Ihr Vater als Pfarrer wirkte, haben Sie die Schule besucht und das Abitur (Matura) abgelegt. Nach dem Theologiestudium in Erlangen und Wien wurden Sie 1938 auf 39 Lehrvikar in Steyr/Oberösterreich, von wo in der Gegenreformation, 1639, über tausend lutherische Exulanten in Richtung Regensburg abgewandert sind. Weitere Tausende wurden im 18. Jahrhundert nach Siebenbürgen deportiert. In Gablonz wurden Sie 1939 durch Kirchenpräsident Wehrenfennig ordiniert und arbeiteten dann als Pfarrvikar in Prag. Bis 1945 waren Sie im Osten als Soldat im Einsatz und überlebten viereinhalb Jahre russische Kriegsgefangenschaft. Nach Ihrer Heimkehr waren Sie Flüchtlings-Seelsorger in Wallern bei Wels, dann Gemeindepfarrer, von 1951 bis 55 in Kindberg, anschließend bis 1961 in Bleiberg/Kärnten, schließlich 1962 in Trebesing. Aber im gleichen Jahr wurden Sie zum „ordentlichen geistlichen Oberkirchenrat“ berufen, der in Wien für Personalfragen zuständig war. Das Jahr Ihrer Bischofswahl, 1968, deutet die Dramatik an, unter der sich Ihr Dienst als Bischof der evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Österreich vollzog, „in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als Verführer, und doch wahrhaftig“ (2. Kor. 6, 7-8). In diesen Jahren erbitterter Auseinandersetzungen, in denen Bischöfe nichts anderes versuchten, als ‚den Laden zusammenzuhalten‘, bildete sich bei Ihnen eine Unbeirrbarkeit und Standfestigkeit heraus, die mir die Anrede „Hochwürdigster Herr Bischof“ abnötigt. Sie erwuchs sichtlich aus Ihrer Verwurzelung in der Geschichte der österreichischen Kirche, die eine Geschichte der Märtyrer war. Es muß eine Tagung des Martin-Luther-Bundes in Wien gewesen sein, wohl 1970, als ich Sie zum ersten Mal erlebte. Wovon die Rede war, ist mir längst entfallen. Aber ich sehe den Bischof noch vor mir, wie er von etwas, worüber gestritten wurde, mit unnachahmlicher Liebenswürdigkeit, sagte: „Steht doch net dafür“, - lachte: „Steht doch net dafür“. ‚Der Österreicher, wie er im Buch steht‘, würden wir sagen. Aber wenn ‚es dafür steht‘, dann Widerstand, unbeugsam, - „wenn Gott mir den Mut gibt“ (vgl. Kurier, 10.3.1974).II. Das sichtbarste Stück Ihres Lebenswerks ist das Evangelische Diözesanmuseum im alten Toleranz-Bethaus in Fresach/Kärnten, wo Sie auch Ihren Ruhesitz genommen haben. Da hat ein Bischof die „Zeugnisse des österreichischen Geheimprotestantismus“ vor dem Vergessen und Entsorgen aus Unwissenheit gerettet. Nie habe ich Kirchengeschichte einprägsamer und bewegender erlebt, als 1988, als ich, jung verheiratet, - unserem ersten Sohn stieß gerade der erste Zahn durchs Zahnfleisch -, nach Bibelarbeiten bei einer Tagung der Pfarrer-Gebets-Bruderschaft in Treffen, in Kärnten Urlaub machte. Ich las Ihre in einem Sonderband der Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten zur 200-Jahr-Feier des Toleranzpatents 1981 gesammelten Aufsätze (Carinthia I, 171. Jg.) und besuchte die darin erwähnten Orte. Das Besondere Ihrer Geschichtsschreibung charakterisiert der Herausgeber der Zeitschrift, Wilhelm Neumann, treffend, wenn er von Ihren Aufsätzen schreibt: „In ihnen vereinigt sich das Verständnis des Verfassers für die pastorale Praxis mit einem starken theologiegeschichtlichen Interesse, wodurch dem naturgemäß von außen an die Vorgänge herantretenden Historiker neue Zugänge eröffnet werden“ (S. 8). Ihre auf eine Beobachtung von P. Dedic gestützte These, „daß jene Orte, deren Pfarrer“ das als flacianisch bezeichnete Kärntner Bekenntnis von 1566 „unterschrieben haben, Mittelpunkte des Geheimprotestantismus geblieben sind“, - „Und auch heute noch sind jene Orte ... festgegründete Säulen des Protestantismus in Kärnten“ (Der Flacianismus in Oberkärnten, in: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich, 76. Jg., 1960, S. 105) -, gibt uns zu denken und schwebt wie eine Verheißung über unseren Versuchen, heute bekennende Gemeinden zu bestärken und miteinander zu vernetzen. Den von Ihnen so gründlich erforschten Streitigkeiten zwischen gnesiolutherischen Flacianern und gemäßigten Melanchthonianern stehen wir heute ein wenig ratlos gegenüber, ungewiß, welcher Seite wir jeweils zuneigen wollen. Sie schreiben: „Wenn es bei den Theologen des flacianischen Kreises und denen der gemäßigten Richtung vielleicht wirklich nur um Begriffe ging ..., so ging es in den Gemeinden und unter den Laien der flacianischen Bewegung nicht so sehr um Begriffe wie um lebendige Frömmigkeit“ (a.a.O., S. 92). Zu ihrer Erhellung haben Sie die „frömmigkeitsgschichtliche Methode“ angewandt (Carinthia I, S. 25). Ihr Ziel ist es, die Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Christus im Glauben seiner Gemeinde wahrzunehmen. Ein „Glaubenszeugnis“, das Ihn selbst, „seine Gegenwart, seine Wirkung auf den Gläubigen“ (S. 25), zum Gegenstand hat, „innerhalb des erbrachten“ historischen Quellenmaterials „abzuhören, es zu bewerten und in den Rahmen der ecclesia semper vivens hineinzustellen, vermag nur ein ebenfalls christusgläubiges Gemeindeglied“. „Nur auf diese Weise ist der Zugang zum Gehalt des Zeugnisses erschlossen“ (S. 26). So wurden Ihre historischen Vorträge und Veröffentlichungen ebenso wie die Gestaltung des Museums, die ‚Schule gemacht‘ hat, zu im besten Sinn erbaulichen Veranstaltungen. Sie haben aufgezeigt, daß „den in der Verborgenheit lebenden“ Geheimprotestanten nur das vor ihrem inneren Auge stehende „himmlische Ziel und die ewige Berufung“ die Durchhaltekraft zu geben vermochten, „daß sie demgegenüber alles Irdische daranwagten“ (Evangelisches Leben im Gailtal zur Zeit der Reformation und Gegenreformation, in: Jahrbuch 78./79. Jg., 1963, S. 129). „Was blieb auch schon den verfolgten Gläubigen, die innerlich und äußerlich nirgends ein Heimatrecht hatten, übrig, als die Hoffnung auf den Tag, da Jesus kommen und sein Reich aufrichten würde“ (ebd). Nur in solcher eschatologischen Erwartung wird man standhaft bleiben können, wenn einem empörter Widerspruch, Verleumdung, Schikane oder was sich die Verfolger der österreichischen Protestanten alles einfallen ließen, übers Haupt fahren. In dieser Geschichte sind Sie zuhause und haben viele in Ihrer Kirche darin heimisch werden lassen.III. Und als ein in dieser Geschichte Verwurzelter haben Sie in bewegter Zeit Ihr Bischofsamt unbestechlich ausgeübt. Ich erwähne Ihre einsame Entscheidung, die von anderen Landeskirchen zurückgewiesenen Absolventen der nicht anerkannten Freien Evangelisch-Theologischen Akademie in Basel ins Pfarramt zu übernehmen. Sie haben damit gute Pfarrer gewonnen, die, wie jene Oberkärntner Flacianer in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Buß- und Bekehrungsprediger (a.a.O., S. 986), mutige Bekenner (S. 180), Gemeinschaftsleute (S. 104) und volksmissionarische Persönlichkeiten (S. 105) werden wollten. Die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern hat in der Begründung für die Verleihung des Walter-Künneth-Preises hervorgehoben, daß Sie „Anfang der 70er Jahre als erster Bischof“ in Österreich sich „klar gegen die Fristenlösung bei der Abtreibung“ gewandt haben. Ihr Offener Brief an Bundeskanzler Bruno Kreisky, in dem Sie den entsprechenden Parlamentsbeschluß als Tiefpunkt in der Rechts- und Geistesgeschichte Österreichs bezeichneten, „nur mit der Einführung der Nürnberger Gesetze durch die nationalsozialistische Regierung“ vergleichbar, hat 1974 Aufsehen erregt und Ihnen wütenden Widerspruch in der eigenen Kirche eingebracht. Andererseits fand dabei ein so dezidiert lutherischer Erforscher der Reformations- und Gegenreformationsgeschichte Österreichs, wie Sie, offene Zustimmung auf Seiten der römisch-katholischen Mehrheitskirche. Sie wurden in diesem Fall zum Wortführer einer „Bekenntnisökumene“ in Österreich, dem sich Kardinal König und andere Diözesanbischöfe anschlossen. Inmitten der erregten öffentlichen Diskussion über Ihren bischöflichen Vorstoß veröffentlichte der „Kurier“ am 10. März 1974 ein Interview des Redakteurs Glattauer mit Ihnen. Eine Tagung der Synode stand bevor. Sie sagten: „Natürlich ist eine Diskussion um den Bischof möglich ... Auch eine Abwahl ist möglich.“ „Für meine Person“, sagten Sie, würde das „nichts bedeuten“. „Es geht nicht um mich.“ „Es geht nicht um Sakrausky“: resümierte der Journalist. „Es geht um den Bischof.“ Tatsächlich ging es um das Verständnis des Bischofsamtes. Sie lasen dem Journalisten aus der Kirchenverfassung vor: „Es obliegt ihm die Verpflichtung, die Stimme der Kirche in der Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen.“ Am Verständnis dieses Satzes schieden sich die Geister. Was ist „die Stimme der Kirche“? Man warf Ihnen vor, Sie hätten „nicht die Stimme der Kirche in die Öffentlichkeit getragen“, sondern Ihre „eigene“. Denn die Generalsynode 1973 hatte sich zwar mehrheitlich gegen die Fristenlösung ausgesprochen, aber eine ausdrückliche Verurteilung vermieden, „um nicht jene, die sich anders entscheiden, aus der Kirche auszuschließen“. Was ist „die Stimme der Kirche“, die der Bischof „in der Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen“ hat? Sie haben mit Ihrer Entscheidung Ihre Kollegen im Bischofsamt, die sich ausnahmslos mehr oder weniger als Moderatoren eines kontroversen Gesprächs verstehen und niemand ausschließen wollen, hinter sich gelassen und als einziger weit und breit ‚ohne Wenn und Aber‘ getan, was ein lutherischer Bischof zu tun hat. Die lutherischen Bekenntnisschriften enthalten klare Aussagen über das Bischofsamt. Bayerische Landesbischöfe haben in Diskussionen mit dem Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern die Verpflichtung, die ihnen Artikel 28 der Confessio Augustana auferlegt, zurückgewiesen. Denn es herrschen im Protestantismus andere, allerdings bekenntniswidrige, Vorstellungen von Bischofsamt. Wilhelm Dantine, Theologieprofessor an der Universität Wien, urteilte damals: „Der Auftrag des Bischofs ist nicht, ein theologisches Konzept durchzupauken. Aber Sakrausky fühlt sich dazu berufen, unter prophetischem Zwang zu handeln. Kann ein Bischof Prophet sein? Bischof und Prophet ist kirchengeschichtlich unvereinbar“ (Kurier, 10.3.1974). Der Journalist, der Sie interviewte, fand, Sie sprachen zwar „leise“, aber „bestimmt, tatsächlich wie unter prophetischem Zwang“. Und Sie erklärten: „Die einzige Vollmacht des geistlichen Amtes beruht auf dem Wort der Heiligen Schrift.“ Und Sie fügten hinzu: „Wenn der Bischof sagt, er habe sich bei einer Entscheidung auf die Heilige Schrift gestützt, kann ihm niemand Vorschriften machen, weder die Presbyter noch die Superintendenten noch die Synode“. – ‚Hier stehe ich; ich kann nicht anders‘. – „Ich muß es vor mir selbst verantworten“, war der letzte Satz, den der Journalist bei jenem Interview notierte. Insofern waren Sie ein außerordentlicher, bzw. der einzige ‚ordentliche‘ Bischof weit und breit. Was stellte sich Professor Dantine unter einem Bischof seiner Wahl vor: einen gewandten Diplomaten, einen geschickten Moderator, oder einen Brückenbauer, pontifex? Nach lutherischem Bekenntnis ist ein Bischof ein Pfarrer, nichts als ein Pfarrer, nur in einem größeren Wirkungskreis. Wie ein Pfarrer in Glaubens- und Gewissensfragen sich nicht an Mehrheitsmeinungen in seiner Gemeinde orientieren darf, sondern nur nach Gottes Wort entscheiden muß, so auch ein Bischof, wenn er diesen Titel verdient. Laut Confessio Augustana, Art. 28 (20 f), besteht „das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten“ darin: „das Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre urteilen und die Lehre, so dem Evangelium entgegen, verwerfen und die Gottlosen, deren gottloses Wesen offenbar ist, aus christlicher Gemeinde ausschließen, ohne menschliche Gewalt, sondern allein durch Gottes Wort“. Die Bischofspflicht, Lehre, die dem biblischen Wort Gottes widerspricht, öffentlich zu verurteilen, wollte Professor Dantine wohl bestreiten, als er polemisierte: „Der Auftrag des Bischofs ist nicht, ein theologisches Konzept durchzupauken“. Die Auskunft des Theologieprofessors steht im Gegensatz zu dem, was die Bekenntnisschriften sagen. Wenn ein Bischof angeblich nicht „Prophet“ sein darf, der sein Amt durch das Geltendmachen des Wortes Gottes ausübt, kann er nur auf weltliche Weise regieren. Das nennt die Confessio Augustana aber ein „unordentlich Gemeng“. „Die Gewalt der ... Bischöfe“ kann „allein durch das Predigtamt geübt“ werden. Ein lutherischer Bischof hat also in diesem Sinne „Prophet“ zu sein, - nur Prophet. Während Dantine einer verbreiteten, unevangelischen Irrlehre über das Bischofsamt anhing, haben Sie in diesem Fall einsam, aber unbeirrt verkörpert, was ein Bischof zu sein hat; Seine „einzige Vollmacht“, sagten Sie, „beruht auf dem Wort der Heiligen Schrift“. Die lutherische Zwei-Reiche-Lehre verbietet es, das Bischofsamt zur Verbreitung politischer Stellungnahmen zu mißbrauchen. Dem Bischof obliegt aber die prophetische Pflicht, in der politischen Öffentlichkeit die Zehn Gebote geltend zu machen und allen Beteiligten ins Gewissen zu reden. Sie sagten 1974: „Der Staat ist zum Schutz menschlichen Lebens verpflichtet. Jetzt überläßt er ihn drei Monate lang der Frau, er entledigt sich für drei Monate seiner Verpflichtung.“ Sie prangerten an: „Es ist die Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Leben. Jetzt sind es die Ungeborenen, vielleicht geht es weiter. Dann sind es die Alten, die Geisteskranken, Euthanasie. Lassen Sie nur Notstände kommen, wenn die Menschen sowieso unter Druck stehen“. Sie betonten: „Es geht um die christliche Basis, um die Basis des Abendlandes“. Zwei Tage lang haben Sie den Brief an Kreisky liegenlassen. Dann haben Sie sich entschlossen: „Ich muß es doch tun. Die Menschenwürde in der Vollendung der Herrlichkeit Gottes, das ist die Basis des Abendlandes“. Für diese prophetische Ausübung des lutherischen Bischofsamtes, verwurzelt in der Bekenntnis-Geschichte des österreichischen Geheimprotestantismus, der in Gottes Wort zuhause war und sich nach dem Tag des Herrschaftsantritts Christi sehnte, haben Sie sich jeden Preis und für Ihre frömmigkeitsgeschichtlichen Studien jede Ehrenpromotion verdient, und ich sage einfach: „Hochwürdigster Herr Bischof, Danke!“, oder katholisch: „Vergelt’s Gott!“
Wolfhart Schlichting
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