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Theo Lehmann erhält den Walter-Künneth-Preis 2006
Einer der bekanntesten Pfarrer in der "DDR" - Theo Lehmann (Chemnitz) – hat am 21. Mai im oberfränkischen Hof den Walter-Künneth-Preis erhalten. Ein Enkel des Namensgebers, Andreas Künneth (Hof), eröffnete die Preisverleihung mit Gebet. Dabei sagte die Präsidentin der sächsischen Landessynode, Gudrun Lindner (Weißbach / Erzgebirge), Lehmann habe bei seinen Evangelisationen „Tausende gesammelt und losgeschickt zum Dienst für Christus in der Kirche". Dafür sage ihm die sächsische Landeskirche ein „großes Dankeschön". Nach den Worten des Vorsitzenden der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag, Fritz Hähle (Chemnitz), sind durch Lehmanns Wirken viele junge Menschen Christen geworden: „Was kann man Schöneres von einem Dienst sagen? Dadurch ist auch Sachsen nicht ganz verloren gegangen." Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), erinnerte an eine Grundmaxime von Lehmanns Evangelisationen: Die seien nur dann wirklich gut gewesen, wenn sich Feinde des Evangeliums beschwert, dafür aber andere bekehrt hätten. Lehmanns Chemnitzer Jugendgottesdienste wurden noch während der deutschen Teilung Vorbild für die in Stuttgart. So habe der Westen vom Osten lernen können. Der evangelische Dekan in Hof, Günter Saalfrank, lobte Lehmann für seine „unbeugsame Zeugenschaft" in Zeiten der Diktatur und danach. Es sei gut, daß es den Walter-Künneth-Preis gebe, der kritische Mahner gegenüber der Kirche auszeichne. Solche Christen brauche die Kirche. Er freue sich auch, daß der Preis in Hof verliehen werde, einer Nahtstelle zwischen Ost und West. Die Stadt befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Grenze der ehemaligen "DDR". Der Hofer Bürgermeister und Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller hob Lehmanns Klarheit hervor: "Sie sprachen Wahrheiten aus, die nicht gerne gehört werden." Jürgen von Strauwitz (Dresden) von der Evangelisch-Lutherischen Bekenntnisgemeinschaft Sachsens dankte Lehmann, daß er kein „weichgespültes Evangelium" verkünde und großen Einfluß auf die kirchliche Jugendarbeit genommen habe. In Grußworten, die nicht persönlich gehalten wurden, wurde Lehmann vom ZDF-Moderator und EKD- Ratsmitglied Peter Hahne (Berlin) als „Leuchtturm der Leuchttürme" in der kirchlichen Landschaft bezeichnet. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion und frühere sächsische Umweltminister Arnold Vaatz (Dresden) schrieb: „Wer die Klarheit und die Kraft der Verkündigung von Theo Lehmann in der DDR jemals erlebt hat, kann nichts anderes für ihn empfinden als Sympathie und Dankbarkeit. Nie in seinem Leben ist Theo Lehmann dem Zeitgeist hinterher geeilt. Auch nach dem Ende der ideologischen Repression durch die SED hat Theo Lehmann wieder und wieder mit der ihm eigenen Direktheit in aktuellen Streitfragen seine unverwechselbare Position bezogen und auf diese Weise uns allen unendlich viel Hoffnung und Zuversicht gegeben." Das Grußwort des "DDR"-Bürgerrechtlers verlas der frühere Bundesminister Jürgen Warnke (CSU, Selb), der auch dem Rat der EKD angehörte.
Kein anderer Pfarrer .... Lehmann war zunächst Pfarrer in Karl-Marx-Stadt und dann von 1976 bis 1998 Jugendevangelist der sächsischen Landeskirche. Kein anderer Verkündiger der christlichen Botschaft erreichte in der DDR-Zeit so viele Menschen: Zu seinen Jugendgottesdiensten im damaligen Karl-Marx-Stadt versammelten sich seit 1971 jeweils bis zu 5.000 Personen. Die Stasi betrieb eine jahrelange Diffamierungskampagne gegen ihn. Lehmann ist bekannt für eindeutige Positionen. So lehnt er außerehelichen Sex ebenso ab wie Abtreibung, praktizierte Homosexualität, aber beispielsweise auch die Frauenordination und den Gebrauch von Anglizismen vor deutschsprachigen Zuhörern. Seine im letzten Jahr erschienene Autobiographie „Freiheit wird dann sein – aus meinem Leben" hat inzwischen die dritte Auflage erreicht. Insgesamt hat Lehmann 18 Bücher in einer Auflage von 180.000 Exemplaren herausgegeben.
Späth: Gerade die Jugend braucht Vorbilder Der Walter-Künneth-Preis wird von der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern verliehen. Der Namensgeber (1901-1997) war ein führender Theologe der Bekennenden Kirche im Dritten Reich und der späteren Bekennenden Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands. Der Vorsitzende der Sammlung, Andreas Späth (München), begründete die Preisverleihung damit, daß gerade die Jugend Vorbilder brauche, die das Evangelium nicht dem Zeitgeist anpaßten. Das treffe auf Walter Künneth und heute Theo Lehmann zu. Die ersten beiden Preisträger sind der frühere Bundesminister Hans Apel (SPD, Hamburg) und der inzwischen verstorbene österreichische Altbischof Oskar Sakrausky gewesen. Apel veröffentlichte 2003 das viel beachtete Buch „Volkskirche ohne Volk" (Brunnen- Verlag). Lehmann selbst wertete die ihm verliehene Auszeichnung als eine theologische Aufwertung der Evangelisation. Der Preis, der nach einem der größten Theologen des vorigen Jahrhunderts benannt sei, anerkenne, daß Evan- gelisation keine volkstümliche Unterhaltung sei, sondern Theologie. In der Laudatio hieß es, es sei kein gutes Zeugnis für die Pfarrerschaft und die Kirche, daß von den vielen Pfarrern, die ihn als Stasi-Informanten verraten hätten, sich bisher kein einziger entschuldigt habe. Das gelte auch für einen einstigen Theologieprofessor in Leipzig, der jetzt (außerhalb Sachsens) Landesbischof sei und in einer Stellungnahme an das Landeskirchenamt zusammen mit anderen Lehmanns Gottesbild als „dämonisch" bezeichnet habe. „Keimzelle der friedlichen Revolution" Während der Staat Lehmann mit der Verleihung der Sächsischen Verfassungsmedaille für seine großen Verdienste um die friedliche Revolution geehrt habe, sei in der Kirche bisher kaum anerkannt, daß die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche ihren Ursprung in einer von der Stasi bekämpften und kirchlich höchst umstrittenen Evangelisation von Lehmann und Jörg Swoboda hatten. 1979 kamen zum Abschlußabend trotz Werbeverbots rund 4.000 Besucher in die Nikolaikirche. Danach hätten die Verantwortlichen der Evangelisation beraten, wie es weitergehen könne. Dabei sei die Idee eines „Friedensgebets" in der Nikolaikirche geboren worden. Die „Keimzelle der friedlichen Revolution" liege also in einer Evangelisation. Ausgehend von der Nikolaikirche demonstrierten im Oktober 1989 Hunderttausende, was letztlich zum Sturz des SED- Regimes führte. Helmut Matthies, idea-Leiter und Laudator
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